Berlin/Madrid (dpa) - Lichtblick für die spanische Konfliktregion Katalonien: Im monatelangen Ringen mit der Zentralregierung in Madrid hat der katalanische Separatistenführer Carles Puigdemont nachgegeben.

Er verzichtete auf eine Kandidatur für das Amt des Regionalpräsidenten und schlug stattdessen den Anwalt und Schriftsteller Quim Torra vor. Damit würde erstmals ein unbelasteter Kandidat für den seit Monaten vakanten Posten zur Verfügung.

Der fünfte und wahrscheinlich letzte Versuch der Regierungsbildung in der spanischen Konfliktregion Katalonien startet an Samstag. Die Sitzung zur Debatte und zur Abstimmung über den neuen Kandidaten auf den Posten des Regionalpräsidenten, Quim Torra, werde in Barcelona um 12 Uhr beginnen, teilte das katalanische Parlament auf Twitter mit. Parlamentspräsident Roger Torrent habe Torra nach einer Konsultationsrunde mit den Parteichefs offiziell nominiert, hieß es.

Sollte der Separatist Torra im Parlament in Barcelona eine Mehrheit erhalten, wäre das seit Januar anhaltende Tauziehen um die Bildung einer neuen Regierung für die nordostspanische Region beendet.

Zuvor hatte das Verfassungsgericht Puigdemont auf Antrag Madrids den Weg zur Kandidatur erneut verstellt. Der von der spanischen Justiz gesuchten und sich zuletzt in Berlin aufhaltenden Puigdemont könne sich nicht in Abwesenheit wählen lassen, entschieden die Richter. Wenn es bis zum 22. Mai keine neue Regierung gibt, muss in Katalonien neu gewählt werden.

Seit der Neuwahl in Katalonien im Dezember scheiterten vier Versuche zur Regierungsbildung. Die Kandidaten hielten sich entweder im Ausland im Exil auf - was im Januar beim ersten Versuch mit Puigdemont der Fall war - oder saßen in Untersuchungshaft. Das Verfassungsgericht hatte schon im Januar aufgrund eines Antrags von Madrid bestätigt, dass sich ein Kandidat persönlich im Parlament in Barcelona wählen lassen muss.

Puigdemont war im Herbst 2017 nach dem verfassungswidrigen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober und seiner anschließenden Amtsenthebung nach Belgien geflohen. Am 25. März wurde er aufgrund eines europäischen Haftbefehls in Schleswig-Holstein festgenommen. Die spanische Justiz wirft ihm unter anderem Rebellion und Untreue vor, dem 55-Jährigen drohen bis zu 30 Jahre Haft. Die deutsche Justiz muss noch entscheiden, ob er an Spanien ausgeliefert wird.

In einem in Berlin aufgenommenen und in sozialen Netzwerken verbreiteten Video schlug Puigdemont den 55 Jahren alte Torra vor. Der Politiker, der seit Anfang des Jahres im Regionalparlament in Barcelona sitzt, war unter anderem 2015 Präsident des einflussreichen separatistischen Kulturvereins Omnium Cultural.

Es ist davon auszugehen, dass Torra bei einer ersten Abstimmung nicht die nötige absolute Mehrheit der Stimmen erreichen wird und erst am Montag bei der zweiten Wahl, bei der ihm eine einfache Stimmenmehrheit reichen würde, eine Chance hat. Die drei für die Unabhängigkeit eintretenden Parteien haben zwar zusammen mit 69 von 135 Sitzen die absolute Mehrheit. Die vier Abgeordneten der linksradikalen CUP wollen sich dem Vernehmen nach aber der Stimme enthalten, weil sie nur Puigdemont als Kandidaten akzeptieren.

Puigdemont betonte im Video, "die Intoleranz des spanischen Staates" sei nach der Zurückweisung mehrerer Kandidaten deutlich geworden. "Die Frist ist abgelaufen. Wir werden aber weiter um unsere Rechte kämpfen", sagte der 55-Jährige auf Katalanisch. Er sei der legitime Regionalpräsident Kataloniens und wolle das vor internationalen Instanzen weiter verteidigen.

Am Donnerstag hatte sich der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy gesprächsbereit mit einer künftigen Regierung Kataloniens gezeigt. Er sei zur "Aufnahme eines Dialogprozesses bereit", sagte Rajoy im Interview des TV-Senders Antena 3. Einzige Bedingung sei, dass dieser Dialog sich "im Rahmen des Gesetzes" halte, warnte der konservative Politiker.