Berlin (dpa) - DGB-Chef Reiner Hoffmann ist mit einem Dämpfer an der Spitze des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) bestätigt worden. Der 62-Jährige erhielt auf dem DGB-Bundeskongress am Montag in Berlin 289 der 379 abgegebenen Stimmen.

Das entspricht 76,3 Prozent. Als 2014 erstmals zum DGB-Vorsitzenden gewählt worden war, erzielte er noch 93,1 Prozent.

Hoffmann dringt auf die Ausweitung von Tarifverträgen in der deutschen Wirtschaft. "Gute Arbeit für alle heißt für uns Tarifbindung für alle", sagte er beim Bundeskongress des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Berlin. Dies bedeute, dass Beschäftigte mehr verdienten, kürzer arbeiteten und länger Urlaub hätten als ohne Tarifvertrag. Hoffmann machte deutlich, dass die Gewerkschaften noch viel Arbeit vor sich hätten. Derzeit bekomme nur die Hälfte aller Beschäftigten Tariflöhne.

Tarifbindung sei auch zentral für Schutz in der Digitalisierung, betonte der DGB-Chef. Solo-Selbstständige bei Digital-Plattformen seien oft Tagelöhner. Hoffmann hob auch angesichts von Ängsten in der Gesellschaft die Bedeutung guter Arbeitsbedingungen hervor. "Wir Gewerkschaften schaffen Zusammenhalt, Solidarität statt Spaltung." Er fügte hinzu: "Gegen uns haben Populisten, Nationalisten und Autokraten keine Chance."

Am Vortag hatte es in einer Aussprache neben Unterstützung auch Kritik an Hoffmann gegeben. Angekreidet wurde dem DGB-Chef vor allem, dass er nach dem Aus der Sondierungen über eine Jamaika-Koalition von Union, Grünen und FDP die SPD wiederholt dazu aufgerufen hatte, sich einer neuen großen Koalition nicht zu verschließen.

Für einen Spitzengewerkschafter gilt Hoffmann als in der Öffentlichkeit vergleichsweise wenig präsent. Seine Amtszeit beträgt nun erneut vier Jahre. Mit der Wiederwahl der weiteren drei Mitglieder komplettierten die Delegierten den geschäftsführenden DGB-Vorstand. DGB-Vize Elke Hannack (56) erhielt 327 Stimmen (86,5 Prozent). Für Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach (63) stimmten 311 Delegierte (81,2 Prozent). Stefan Körzell (55) bekam 315 Stimmen (83,6 Prozent). Gegenkandidaten gab es nicht.