Wuppertal (dpa) - Großes Aufräumen ist nach den heftigen Unwettern in mehreren Regionen Deutschlands angesagt. Polizei und Feuerwehr sind vielerorts weiter im Dauereinsatz.

"Wir müssen die Keller leer bekommen", sagte ein Sprecher der Wuppertaler Feuerwehr am Morgen. Knapp 550 Feuerwehrleute seien in der Stadt bei der Arbeit, viele davon seit mehr als 15 Stunden.

Das Unwetter richtete in Wuppertal erhebliche Schäden an und blockierte viele Straßen. Wassermassen flossen laut Polizei unter anderem in ein Einkaufszentrum, das Dach eines Universitätsgebäudes stürzte ein, in der Innenstadt knickte ein Tankstellendach weg und beschädigte mehrere Autos. Die Schwebebahn musste am Dienstagabend ihren Betrieb einstellen, konnte am Mittwoch aber wieder fahren.

In der Spitze fielen im Raum Wuppertal laut Deutschem Wetterdienst (DWD) 100 Millimeter Regen, also 100 Liter auf den Quadratmeter. "Das war schon extrem und ist in der Regenmenge etwa das, was normalerweise im Laufe eines Monats fällt", sagte ein DWD-Meteorologe. "Die Infrastrukturschäden werden ganz erheblich sein", sagte eine Sprecherin der Stadt. Die Reparatur- und Aufräumarbeiten könnten mehrere Tage dauern - mindestens.

Im hessischen Gießen waren in der Nacht bis zu 300 Helfer im Einsatz. "Jetzt steht das große Aufräumen an", sagte eine Feuerwehr-Sprecherin. Zahlreiche Bäume waren hier umgeknickt, Straßen überflutet. Am Uniklinikum lief Wasser ins Untergeschoss, betroffen waren Teile der Notaufnahme und Operationssäle. Die Versorgung von Notfallpatienten sei die ganze Zeit sichergestellt gewesen, sagte ein Kliniksprecher. Das OP-Programm sei am Morgen wie geplant angelaufen.

Eine böse Überraschung gab es auch für die Universitätsbibliothek in Marburg: Dort stand nach Angaben Hochschule das Wasser im Untergeschoss ein bis zwei Zentimeter hoch. Betroffen waren vor allem Zeitschriften, die nun zunächst eingefroren werden sollen, um größere Schäden zu verhindern.

Die Überflutungen nach einem Starkregen am Dienstag im niedersächsischen Bad Gandersheim verursachten hingegen wohl Schäden in Millionenhöhe, wie die Polizei mitteilte. Mehrere Gebäude in der Stadt zwischen Hannover und Göttingen seien einsturzgefährdet, zahlreiche Keller vollgelaufen.

In Bad Zwischenahn bei Oldenburg konnte ein Intercity der Deutschen Bahn am Abend wegen eines Stromausfalls seine Reise nicht fortsetzen. Rund 250 Reisende mussten stundenlang in dem Zug ausharren, bevor er weiterfahren konnte. Grund für den Stromausfall war nach Bahnangaben vermutlich ein Blitzeinschlag in einen Hauptgenerator im Stellwerk. Auch am Oldenburger Bahnhof strandeten der Polizei zufolge Hunderte Menschen, weil einige Züge ausfielen oder sich verspäteten.

In der Nacht zum Mittwoch zogen schwere Unwetter auch über Bayern. In Unterfranken und in der Oberpfalz liefen Keller voll, Bäume wurden entwurzelt. Bei einem Verkehrsunfall wurde mindestens ein Mensch verletzt, Aquaplaning ließ Autos schleudern. In Regensburg waren Straßen zeitweise überflutet, so auch die Autobahn A93. In einigen Stadtteilen fiel für Stunden der Strom aus. Schäden richteten die Gewitter auch im Landkreis Schweinfurt an. "Hier gingen bis 22 Uhr über 400 unwetterbedingte Notrufe ein", teilte das Rote Kreuz mit.

Und ein Ende der Unwetter zeichnet sich nicht ab: In den östlichen Mittelgebirgen und an den Alpen kann es laut Deutschem Wetterdienst den ganzen Mittwoch über kräftig gewittern. Auch Starkregen und Hagel sind möglich. In Berlin und Brandenburg wurde vor schweren Gewittern und Starkregen gewarnt. Mit dem Blick auf ganz Deutschland erklärte der Wetterdienst: "Es ist keine Entspannung in Sicht." Vom Nordwesten bis in den Osten und Südosten sowie lokal im Südwesten werde es teils wieder kräftige Schauer und Gewitter geben: "Es wird wieder krachen."