Rom/Valletta (dpa) - Die Lage an Bord des vor Malta blockierten Schiffes "Lifeline" wird nach Angaben der deutschen Retter immer problematischer.

"Mit mehr als 200 Menschen an Bord ist heute der sechste Tag für die Lifeline auf dem Meer, das Wetter wird schlechter und die gesundheitliche Situation der geretteten Menschen wird immer fragiler", teilte die Dresdner Organisation Mission Lifeline am Mittwoch mit.

Die Lage könnte in den nächsten Stunden aufgrund der Erschöpfung und der Schwäche der Menschen "eskalieren". Sehr viele Menschen seien schwer seekrank und benötigten Hilfe, heißt es in einer Mail an die maltesischen Behörden.

Das Boot hatte am Donnerstag rund 230 Migranten vor Libyen gerettet und darf seitdem nirgends in einen Hafen einfahren. Es liegt im Mittelmeer vor Malta.

Am Dienstag zeichnete sich zwar eine Lösung ab. Malta will das Schiff anlegen lassen - allerdings nur, wenn garantiert ist, dass die Flüchtlinge auf mehrere EU-Staaten verteilt werden. Italien und Frankreich hatten sich bereit erklärt. Von der deutschen Regierung kam bisher kein Anzeichen, obwohl zumindest das Land Berlin einige Menschen aufnehmen würde. Die "Lifeline" bekam immer noch kein Signal, nach Malta fahren zu dürfen.

Die NGO beschuldigt Innenminister Horst Seehofer (CSU), aus machtpolitischen Gründen die Aufnahme von Migranten zu verweigern. Wenn die Lage eskaliere, sei das Seehofers Verantwortung, erklärte Lifeline-Mitgründer Axel Steier. Seehofer mache die deutsche Regierung der unterlassenen Hilfeleistung für Menschen in Gefahr mitschuldig.

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