Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich von den nun geltenden US-Strafzöllen auf chinesische Importe und Pekings Vergeltungsmaßnahmen kaum beeindrucken lassen.

Nach dem starken Vortag kam der deutsche Leitindex allerdings nur noch wenig voran: Gegen Mittag notierte er 0,15 Prozent im Plus bei 12.483,55 Punkten. Dank der deutlichen Gewinne der vergangenen Tage steuert der Dax auf ein Wochenplus von fast anderthalb Prozent zu.

Nachdem am Dienstag die Einigung zwischen CDU und CSU im Asylstreit für Freude gesorgt hatte, gab am Donnerstag die Hoffnung Auftrieb, dass die USA auf Importzölle für europäische Autos verzichten könnte.

Zur gegenseitigen Abschaffung dieser Zölle seien die Vereinigten Staaten aber nur im Rahmen eines breiteren Zollabkommens mit der EU bereit, stellte ein Sprecher der US-Botschaft nach einem Treffen von Botschafter Richard Grenell mit Vorstandschefs großer deutscher Autohersteller klar.

Von diesen Unsicherheiten ließen sich aber auch die deutschen Nebenwerte-Indizes nicht bremsen: Für den MDax der mittelgroßen Unternehmen ging es um 0,49 Prozent auf 25.937,47 Punkte hoch. Der Technologiewerte-Index TecDax gewann 0,65 Prozent auf 2760,84 Zähler. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stand ein Plus von 0,16 Prozent auf 3446,30 Punkte zu Buche.

Auch an den Übersee-Börsen hielt sich sich der Schaden in Grenzen: In New York deuten sich nach dem freundlichen Handelsverlauf am Vortag nur minimale Verluste an, und an den asiatischen Handelsplätzen nutzten Anleger den jüngsten Kursrückgang für Schnäppchenkäufe.

Am deutschen Aktienmarkt richteten sich die Blicke vor allem auf die Deutsche Bank und Thyssenkrupp. Beim größten heimischen Geldhaus sorgte ein Bericht der "Wirtschaftswoche" über "Gedankenspiele" für einen Einstieg bei der US-Investmentbank JPMorgan für Kursfantasie: Die zuletzt schon etwas von einem Rekordtief erholten Aktien gewannen weitere 5,19 Prozent. Auch die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) soll entsprechendes Interesse gezeigt haben.

Dahinter verteuerten sich die Papiere des Industrie- und Stahlkonzerns um 2,61 Prozent, nachdem Chef Heinrich Hiesinger überraschend vor dem Abgang steht. Er war auch nach der positiv aufgenommenen Fusion der Stahlsparte mit dem Konkurrenten Tata zuletzt weiter unter Druck geraten, weil Anteilseigner wie etwa Cevian Capital mehr Tempo beim seit langem angekündigten Konzernumbau gefordert hatten. Börsianer hoffen auf die Abspaltung von Geschäftsbereichen und eine Neubewertung des wegen seiner komplexen Struktur aus ihrer Sicht zu gering geschätzten Konzerns.

Im MDax freuten sich die Anleger über die Trennung des Autozulieferers Hella von seinen Großhandelsgesellschaften in Dänemark und Polen: Die vortags mit der Branche starken Papiere gewannen weitere 1,03 Prozent.