Peking (dpa) - Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach Inkrafttreten der US-Strafzölle auf chinesische Importe sah sich China nach eigenen Angaben zum "notwendigen Gegenangriff" gezwungen.

Als Reaktion auf die amerikanischen Strafzölle auf chinesische Importe hat China seinerseits Sonderabgaben auf Einfuhren aus den USA verhängt. Nach den Zollerhöhungen der USA seien die chinesischen Strafzölle "sofort in Kraft getreten", sagte der Sprecher des Außenministeriums vor der Presse.

Um Mitternacht (06.00 Uhr MESZ) waren Sonderabgaben der USA von 25 Prozent auf chinesische Importe im Wert von 34 Milliarden US-Dollar in Kraft getreten.

Chinas Handelsministerium hatte für diesen Fall schon im Vorfeld Vergeltung in gleicher Höhe angekündigt. Die Volksrepublik will dem Ministeriumssprecher zufolge nun die Welthandelsorganisation (WTO) über die Situation informieren.

Mit dieser ersten Runde steuern die beiden größten Volkswirtschaften auf einen Handelskrieg zu, der potenziell schwere Folgen auch für Deutschland, Europa und die gesamte Weltwirtschaft haben könnte.

Trump zieht gegen die mit einem Defizit von mehr als 800 Milliarden US-Dollar belastete Handelsbilanz seines Landes an mehreren Fronten zu Felde. Er belegte auch die Nachbarn Kanada und Mexiko sowie Verbündete wie die Länder der Europäischen Union mit Strafzöllen auf Stahl- und Aluminium. Auch von dieser Seite sind bereits Vergeltungszölle in Kraft gesetzt worden.

Volkswirte befürchten, dass sich der Konflikt zwischen China und den USA zu einem unkontrollierbaren Handelskrieg auswächst. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht die betroffenen Handelsvolumina zumindest derzeit noch als zu klein an, als dass dies allein zu größeren Problemen für die Weltwirtschaft führen könnte. Allerdings werden Effekte durch die Verunsicherung der Märkte und eine immer weiter rotierende Eskalationsspirale befürchtet.

"Ein ausgewachsener Handelskrieg würde auch die US-Wirtschaft nicht ungeschoren lassen", schrieben die Volkswirte der Commerzbank in ihrem Wochenausblick. Jenseits verkraftbarer kurzfristiger Folgen drohe langfristig "mehr Unheil", weil die globalen Produktionsketten der Unternehmen reißen könnten. Würden die Zollmauern zu hoch, wären diese nicht mehr rentabel. "Dann müssten multinationale Unternehmen Teile ihrer internationalen Produktionsstätten abschreiben und unter hohen Kosten heimische Produktionsstätten hochziehen. Gewinneinbrüche und Kostensenkungsprogramme wären die Folge, was auch die Arbeitnehmer stark belasten würde."

US-Präsident Donald Trump hatte klargemacht, dass er im Falle chinesischer Vergeltung zu einer weiteren Eskalation bereit ist. Er drohte mit Strafzöllen auf chinesische Importe von sogar mehr als einer halben Billion US-Dollar, womit alle Ausfuhren aus China in die USA betroffen wären.

Amerikanische Unternehmen in China kritisierten Trumps Zölle als kontrapoduktiv. "Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg", betonte der Vorsitzende der US-Handelskammer (AmCham) in China, William Zarit, in Peking. Während die 900 in China tätigen Mitgliedsunternehmen der Handelskammer unter ungerechten Wettbewerbsbedingungen in der Volksrepublik litten, sei ihnen auch klar, dass wachsende Spannungen zwischen China und den USA "ihre Tätigkeiten in China negativ beeinflussen". Beide Regierungen sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren.