Mae Sai (dpa) - Im Höhlendrama von Thailand hat der Einsatz zur Rettung der letzten vier eingeschlossenen Jungen und ihres Trainers begonnen. Nach Angaben der Behörden läuft die Aktion seit Dienstag 10.08 Uhr Ortszeit (05.08 Uhr MESZ).

Als Ziel gab Provinzgouverneur Narongsak Osottanakorn aus, bis zum Abend alle Eingeschlossenen herauszuholen. Sie sitzen seit 17 Tagen in der überfluteten Höhle fest. Bislang gelang es dem internationalen Team von Spezialtauchern, acht Spieler der jungen Fußballmannschaft ins Freie zu bringen.

In der Region im Norden Thailands, an der Grenze zu Myanmar, gab es am Dienstag wieder heftige Regenfälle. Der jetzt schon mehr als zwei Wochen dauernde Einsatz ist auch ein Kampf gegen das Wetter und gegen die Zeit. In Südostasien ist gerade Monsun-Saison. Befürchtet wird, dass durch den Regen das Wasser in der Höhle so schnell steigt, dass die Hilfsaktion abgebrochen werden muss. Inzwischen ist die Hoffnung auf ein glückliches Ende des Dramas aber groß. Allerdings gibt es auch Warnungen, so kurz vor dem Ziel nicht übermütig zu werden.

An dem neuen Rettungseinsatz - dem dritten mittlerweile - sind mindestens 19 Spezialtaucher begleitet, die meisten aus dem Ausland. Nach Angaben des Gouverneurs wird er möglicherweise noch länger dauern als an den ersten beiden Tagen - also länger als elf Stunden.

Neben den fünf Eingeschlossenen müssen auch vier Retter aus der Höhle geholt werden. Darunter ist ein australischer Mediziner, der ausharrte, um im Notfall Erste Hilfe leisten zu können. Unter den Eingeschlossenen ist auch der jüngste Spieler der Manschaft. Er ist erst elf.

Thailands Innenminister Anupong Paochinda sagte zum weiteren Vorgehen: "Unser ursprünglicher Plan war, jeweils vier Leute herauszuholen. Aber dann wäre nur noch einer übrig. Deshalb haben wir uns entschieden, heute fünf zu holen." Vermutet wird, dass als Letzter der Trainer geht. Der 25-Jährige hatte die Kinder trotz Warnungen in die Höhle hineingeführt.

Die vier Jungen und ihr erwachsener Betreuer sitzen seit dem 23. Juni fest. Das Team vom Lokalverein "Wildschweine" war bei einem Ausflug in die Tropfsteinhöhle Tham Luang-Khun Nam Nang Non von den Wassermassen überrascht worden. Der Weg nach draußen ist fast vier Kilometer lang und an manchen Stellen extrem gefährlich. Seit Sonntag gelang es jedoch nach und nach, acht Jungen in Sicherheit zu bringen. Nach Angaben der behandelnden Ärzte geht es ihnen den Umständen entsprechend gut.

Die acht Kinder im Alter zwischen 12 und 16 Jahren sind jetzt im Krankenhaus der Provinzhauptstadt Chiang Rai, alle in Einzelzimmern. Die Ärzte berichteten am Dienstag von minderschweren Lungen-Infekten bei zwei Kindern. Insgesamt seien die Fußballer jedoch bei guter Gesundheit. Keiner habe Fieber. Die ersten vier durften auch schon ihre Familien sehen - allerdings nur durch eine Glasscheibe. Zuvor war bereits Thailands Militär-Machthaber Prayut Chan-o-cha bei ihnen zu Besuch.

Alle acht sollen jedoch eine weitere Woche zur Beobachtung in der Klinik bleiben. Die Einladung des Weltfußballverbandes FIFA, beim WM-Finale am Sonntag dabei zu sein, werden sie damit nicht annehmen können.

Die Rettung ist sehr gefährlich. An manchen Stellen ist der Weg so eng, dass die Taucher ihre Atemluft-Flaschen abschnallen müssen. Darüber hinaus kann man im Wasser kaum sehen. Bei der Vorbereitung der Mission ertrank am Freitag ein erfahrener thailändischer Taucher. Jetzt nehmen jeweils zwei Retter die Jungen, von denen kein einziger richtig tauchen kann, ins Schlepptau. Alle tragen Taucheranzüge und sind mit Taucherbrillen ausgerüstet. Die Profis versorgen sie mit Luft.

Unterdessen stellte der milliardenschwere Unternehmer Elon Musk den Höhlenrettern vor Ort ein neu entwickeltes Mini-U-Boot zur Verfügung. Der 47-Jährige berichtete im Kurznachrichtendienst Twitter, dass er inzwischen selbst in dem Höhlenkomplex sei. Das U-Boot wurde auf den Namen "Wild Boar" ("Wildschwein") getauft. Das Angebot nahmen die Taucher bislang nicht in Anspruch. Musk hatte dafür auch Kritik geerntet. Viele warfen ihm vor, Publicity machen zu wollen.