Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt hat am Donnerstag nachgegeben. Der Dax rutschte erstmals seit Anfang April unter die Marke von 12.000 Punkte.

Zwar konnte sich der deutsche Leitindex zeitweise etwas fangen, doch im späten Handel geriet er wie schon am Vortag in den Sog der Kursverluste an der technologielastigen US-Börse Nasdaq. Der Dax schloss mit einem Minus von 0,71 Prozent auf 11.955,25 Punkte. Zuvor war es bis auf rund 11.945 Punkte abwärts gegangen.

Die wachsende Zahl wirtschaftlicher und politischer Risiken treibt hierzulande immer mehr Anleger aus Aktien. Für steigende Nervosität unter den Investoren sorgen vor allem der internationale Handelskonflikt sowie die Währungskrisen in einigen Schwellenländern. China warnte am Donnerstag die USA vor einer Zuspitzung des Handelskonflikts und will gegebenenfalls weitere Gegenmaßnahmen einleiten. Überraschend deutlich gesunkene Auftragseingänge für die deutsche Industrie sorgten aktuell für einen weiteren Dämpfer.

Auch der breite Markt schloss schwächer: Der Index der mittelgroßen Werte, der MDax, gab um 0,47 Prozent auf 26.130,54 Zähler nach. Der TecDax sank um 0,60 Prozent auf 2894,82 Punkte.

Nicht besser sah es in Europa aus. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 0,59 Prozent auf 3295,95 Punkte und rutschte damit auf den tiefsten Stand seit Ende März. Auch die Börsen in Paris und London verbuchten Verluste. In den USA stand der Dow Jones Industrial zum Handelsschluss in Europa mit rund 0,1 Prozent im Minus, die Nasdaq-Indizes verloren rund 1 Prozent.

Unter den Einzelwerten im Dax rückten die Aktien des Versorgers RWE an die Index-Spitze mit plus 2,7 Prozent. Eine große Branchenstudie gab Auftrieb.

Dax-Schlusslicht waren die Papiere des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer mit rund 4,6 Prozent Minus. Dies war der niedrigste Kurs seit März 2013. Bayer-Aktien hatten im Zuge eines Schadenersatzurteils gegen den übernommenen US-Hersteller Monsanto bereits in den vergangenen Wochen kräftig an Wert eingebüßt.

Infineon-Anteile rutschten im Kielwasser der sinkenden Bewertungen von Technologietiteln in den USA weiter ab und gehörten mit minus 1,9 Prozent erneut zu den größten Verlierern.

Die Anteile am Zahlungsabwickler Wirecard, der in rund zwei Wochen in den Dax aufsteigt, büßten bis Handelsende einen Teil ihres Tagesgewinns wieder ein. Sie legten im TecDax um 1,3 Prozent zu. Die Commerzbank-Aktien, die dafür wie erwartet in den MDax absteigen, verloren zugleich knapp 2,3 Prozent. Am Vorabend hatte die Deutsche Börse die Ergebnisse ihrer neuen Index-Regeln mitgeteilt und die Aufsteiger und Absteiger bekannt gegeben.

Die neuen Regeln für die Dax-Familie wirbeln so einiges auf, denn vom 24. September an wird der MDax dann 60 statt 50 Unternehmen haben und der SDax 70 statt 50. Grund ist die Aufnahme von TecDax-Unternehmen auch in die sogenannten Standardwerte-Indizes. Zudem werden künftig alle Dax-Unternehmen aus der Technologiebranche auch im TecDax vertreten sein.

Die beiden Autozulieferer Leoni, der in den SDax absteigen muss, und Schaeffler büßten als schwächste Werte im MDax knapp 8 beziehungsweise 5,5 Prozent ein.

Am Rentenmarkt stieg die Umlaufrendite von 0,21 Prozent am Vortag auf 0,22 Prozent. Der Rentenindex Rex fiel um 0,07 Prozent auf 141,07 Punkte. Der Bund-Future legte um 0,26 Prozent auf 160,39 Punkte zu. Der Kurs des Euro verlor zuletzt moderat und wurde am Abend mit 1,16231 US-Dollar gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1634 (Mittwoch: 1,1582) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8596 (0,8634) Euro.