Frankfurt/Main (dpa) - Nach dem Sturz ans Tabellenende mahnte Horst Heldt zur Besonnenheit.

«In erster Linie müssen wir die Ruhe bewahren. Keine Panik! Die brauchen wir nicht, sie wäre fehl am Platz», sagte der Sportdirektor von Hannover 96 nach der bitteren 1:4 (0:2)-Pleite bei Eintracht Frankfurt und gab die Richtung für die nächsten Tage vor: «Wir müssen auf den Zusammenhalt achten. Wenn nun einer ausschert, ist es das pure Gift.»

Clubchef Martin Kind hielt sich vor dem wegweisenden Duell mit dem VfB Stuttgart am Samstag schon einmal an diese Linie. Trotz der Negativserie von vier Niederlagen nacheinander und dem sportlichen Offenbarungseid in Frankfurt stärkte er Trainer Andre Breitenreiter und Manager Heldt am Montag den Rücken. «Ich habe volles Vertrauen in die Sportliche Leitung. Sie hat bisher alle ihre Ziele bei Hannover 96 erreicht», sagte Kind. «Wir haben die Verträge mit Trainer André Breitenreiter und Manager Horst Heldt vorzeitig verlängert, weil wir von ihrer Arbeit überzeugt sind. Daran hat sich auch nach dem für uns alle unbefriedigenden Saisonstart nichts geändert.»

Noch kann Breitenreiter, der seinen Schützlingen in Frankfurt die Bundesliga-Tauglichkeit absprach, seine Arbeit also ohne große Störfeuer verrichten. Sein Problem ist im Moment auch eher die Personallage: Torjäger Niklas Füllkrug verletzte sich in Frankfurt am Knöchel und droht auch gegen Stuttgart auszufallen. Immerhin wurde bei dem 25-Jährigen am Montag nur eine Kapselverletzung und keine Schädigung von Bändern oder Knochen festgestellt. Außerdem fehlt im Abwehrzentrum nach dem Weggang von Salif Sané zu Schalke 04 ein überzeugender Nebenmann für Kapitän Waldemar Anton.

In Frankfurt ließ sich 96 vom Gastgeber den Schneid abkaufen. «Von der Aggressivität und vom Zweikampfverhalten war das zu wenig», kritisierte Breitenreiter. Evan Ndicka (36. Minute), Ante Rebic (45.+1), Jonathan de Guzmán (59.) und Luka Jovic (89.) bedankten sich für die gewährten Freiräume. Das Ehrentor von Bundesliga-Debütant Florent Muslija (86.) hatte nur statistischen Wert.

Horst Heldt war entsetzt über die desaströse Vorstellung: «Wir agieren nicht so, wie wir in der Bundesliga agieren müssen.» Der Manager fürchtet, dass zu den technischen und taktischen Schwächen nun auch mentale Probleme kommen. «Mit der Situation, die sich jetzt entwickelt, ist es klar, dass der Kopf eine Rolle spielt. Das ist an der Verunsicherung der Spieler zu sehen. Wir müssen dagegen angehen.»

Auch der frühere Frankfurter Pirmin Schwegler meinte ganz klar: «Am Anfang war es eine Ergebniskrise, jetzt ist es auch eine Leistungskrise. Der Rucksack ist schwer.» Wie Heldt appellierte auch der defensive Mittelfeldspieler an den Zusammenhalt: «Wir dürfen nicht in Einzelteile zerfallen, müssen als Mannschaft da raus.»

Angesichts der allgemeinen Verunsicherung sind die Verantwortlichen nun auch als Psychologen gefordert. Vielleicht hilft ja ein simpler Taschenspielertrick, um die Laune wieder etwas anzuheben. «Die Tabelle umdrehen?», sagte Heldt. «Es gab schon Situationen, in denen wir das gemacht haben.» Doch auch ihm ist bewusst, dass dies allein nicht reichen wird: «Wir müssen mehr investieren und Maßnahmen ergreifen, damit es beim nächsten Mal besser wird.»