Istanbul (dpa) - Nach der Durchsuchung des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul zu Hinweisen auf den möglichen Mord am Regierungskritiker Dschamal Chaschukdschi spricht Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan von ersten Hinweisen. Man schaue sich mögliche Spuren "giftiger Substanzen" genauer an, sagte er.

Diese seien überstrichen worden. Er hoffe auf Ergebnisse, die helfen, eine Meinung zu bilden. Die Ermittler arbeiteten intensiv daran, herauszufinden, was genau im Konsulat passiert sei.

In der Nacht hatten türkische Ermittler zusammen mit saudi-arabischen Kollegen in einem neunstündigen Einsatz das Konsulat durchkämmt. Nach Medienberichten hatten sie unter anderem Proben aus dem Garten des Konsulats mitgenommen. Außerdem seien zwei Müllwagen der Gemeinde ins Konsulat gefahren - weshalb, blieb zunächst unklar. Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" berichtete, das Gelände sei zudem mit Hunden abgesucht worden.

Im Lauf des Tages wird die türkische Polizei auch die Residenz des saudischen Konsuls in Istanbul durchsuchen. Wie der Staatssender TRT und der private Sender NTV am melden, sollen die Ermittler das Haus betreten dürfen.

US-Medien berichten unterdessen, dass Riad in Kürze eine Erklärung zum Schicksal Chaschukdschis abgeben wolle.

US-Außenminister Mike Pompeo traf unterdessen in Saudi-Arabien mit König Salman zusammen. Bilder zeigten Pompeo zusammen mit dem Staatsoberhaupt im Palast in der saudischen Hauptstadt Riad. Über die genauen Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

US-Präsident Donald Trump hatte seinen Außenminister in das islamisch-konservative Königreich geschickt, um Licht in den rätselhaften Fall um den verschwundenen Regimekritiker zu bringen.

Außerdem lassen die USA die Teilnahme von Finanzminister Steven Mnuchin an einer geplanten Investmentkonferenz in Riad weiter offen. Der Finanzminister werde an diesem Freitag entscheiden, ob er nach Riad reisen werde oder nicht, sagte Trump in der Nacht zum Dienstag.

Chaschukdschi, der als Kolumnist für die "Washington Post" gearbeitet hatte, wollte am 2. Oktober Papiere für die Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten im Konsulat abholen und ist seitdem verschwunden. Die türkischen Behörden gehen nach Medienberichten davon aus, dass er von einem aus Saudi-Arabien angereisten Sonderkommando getötet wurde. Es soll demnach Video- und Tonaufnahmen von dem Mord geben. Eine offizielle Erklärung haben die türkischen Ermittler aber bislang nicht abgegeben.

Nach Chaschukdschis Verschwinden erhebt ein anderer Dissident schwere Anschuldigungen gegen das Königreich. Der in Deutschland lebende Prinz Chalid bin Farhan al-Saud sagte der Deutschen Presse-Agentur, Vertreter der Regierung des Landes hätten ihn erst vor wenigen Wochen in eine Falle locken wollen, um ihn nach Saudi-Arabien zu verschleppen.

"Ein paar Tage vor dem Verschwinden Chaschukdschis haben sie mit einem Verwandten von mir in Kairo gesprochen und ihm einen Scheck gezeigt." Dem Verwandten sagten sie demnach, sie wollten dem Prinzen wegen seiner angeblichen finanziellen Probleme helfen. "Ich müsste den Scheck nur in der saudischen Botschaft in Ägypten abholen." Wenn er dem Ruf gefolgt wäre, so ist sich Prinz Chalid sicher, wäre er genauso verschwunden wie Kritiker Chaschukdschi. Anfragen an die saudischen Behörden zu den Vorwürfen blieben unbeantwortet.

Von der bevorstehenden Erklärung Saudi-Arabiens zu Chaschukdschi berichteten die US-Fernsehsender CNN sowie die Zeitungen "New York Times" und "Wall Street Journal". Demnach soll das Verhör schiefgegangen sein. CNN berichtete unter Berufung auf nicht näher genannte Quellen, der Plan sei gewesen, den Saudi zu entführen, aber nicht zu töten. US-Präsident Donald Trump sagte nach einem Telefongespräch mit dem saudi-arabischen König Salman, es habe danach geklungen, als ob es ein Einzeltäter gewesen sei. Das saudische Königshaus weist nach wie vor jede Beteiligung am Verschwinden Chaschukdschis von sich.

Das Versprechen zur Durchsuchung des Konsulats hatte die saudi-arabische Regierung nach türkischen Angaben schon vergangene Woche gegeben, zunächst aber nicht erfüllt. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Sonntagabend erstmals mit dem saudischen König Salman am Telefon über das Verschwinden des saudischen Journalisten gesprochen. US-Präsident Donald Trump telefonierte ebenfalls mit Salman.