Berlin (dpa) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet will sich unter den jetzigen Konstellationen nicht um den Vorsitz der Bundes-CDU bewerben.

Nach dpa-Informationen aus Kreisen der NRW-CDU sagte Laschet am Mittwochmorgen in einer Telefonschaltkonferenz mit den Bezirksvorsitzenden, bei der jetzt geplanten Trennung von Kanzleramt und Parteivorsitz sei das Amt des Regierungschefs im größten Bundesland mit dem Vorsitz der Regierungspartei im Bund nicht dauerhaft zu vereinbaren.

Weiter argumentierte Laschet demnach, die Koalition aus CDU und FDP in Düsseldorf sei ein Gegenmodell zur großen Koalition in Berlin - in Inhalt und Stil. Das dürfe nicht für ein Parteiamt gefährdet werden.

Wie es weiter hieß, machten mehrere Teilnehmer der Telefonschalte deutlich, dass es jetzt ausschließlich um den Parteivorsitz gehe, und bestärkten Laschet darin, nur bei Aussicht auf ein neues Politikprojekt einen Wechsel nach Berlin in Erwägung zu ziehen. So hieß es explizit, dass «eine Neubewertung» notwendig sei, wenn die Lage sich ändere und es nicht mehr nur um den Parteivorsitz gehe.

Laschet sagte demnach: «Wir müssen die Partei jetzt zusammenhalten.» Wichtig sei ihm, dass die CDU am Kurs der Mitte festhalte. Die Gespräche mit den anderen Landesvorsitzenden werde er in den kommenden Tagen fortsetzen. Laschet halte es angesichts «der Zäsur nach 18 Jahren Vorsitz» von Merkel für notwendig, «dass die Partei auch in ihrer ganzen Breite und Tiefe zu Wort kommen» könne.

Deshalb will er dem Vernehmen nach für die Klausur des Bundesvorstands am Wochenende vorschlagen, dass die CDU Deutschland bis zum Bundesparteitag in Hamburg Regionalkonferenzen durchführen solle, auf denen sich die Kandidaten präsentieren können.

Am Nachmittag will sich Friedrich Merz öffentlich zu seiner Kandidatur äußern. Am Dienstag hatte der 62 Jahre alte frühere Unionsfraktionschef in einer Pressemitteilung angekündigt, sich um den CDU-Vorsitz zu bewerben. Damit tritt Merz bei der Wahl am 7. Dezember auf dem Parteitag in Hamburg nach bisherigem Stand gegen CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, Gesundheitsminister Jens Spahn und drei weitere, nicht so bekannte Bewerber an. Merkel hatte nach den herben Stimmenverlusten ihrer Partei bei der Landtagswahl in Hessen am Montag erklärt, dass sie im Dezember auf dem Hamburger CDU-Parteitag nicht erneut für den Parteivorsitz antritt.

Bei der Nachfolge von Merkel geht es auch um eine Neuausrichtung der Partei. Konservative in der Union machen sich bereits am Dienstag für Merz als künftigen Vorsitzenden stark. Merz hat das Potenzial, der Partei wieder ein klares Profil zu geben», sagte Alexander Mitsch, Bundesvorsitzender der Werteunion, der Deutschen Presse-Agentur. Und auch Wolfgang Bosbach, der frühere Innenexperte, der zum konservativen Flügel der CDU zählt, setzte in der «Augsburger Allgemeinen» (Mittwoch) auf Merz.

Mit Blick auf die Stellung Deutschlands in Europa nach der Rückzugsankündigung von Merkel sagte der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff: «Dieser Halbrückzug von Frau Merkel, so respektabel er sein mag, schadet Deutschland in Europa, schadet Europa insgesamt.» Der langjährige Europaabgeordnete sagte am Mittwoch im ARD-«Morgenmagazin»: «Eine geschwächte Bundeskanzlerin ist in Europa nicht so handlungsfähig wie jemand, der die Fäden fest in der Hand hat.»

Diese Gefahr sieht EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker nicht. «Für den Präsidenten wird Kanzlerin Merkel eine der Haupt-Ansprechpartner bleiben», sagte eine Sprecherin am Dienstag in Brüssel. «Sie und Deutschland bleiben ein einflussreicher Akteur im europäischen Projekt - und darüber hinaus.»

Der Vorsitzende der Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) im Europaparlament, Manfred Weber, hofft, dass Merkel nach ihrem Rückzug vom CDU-Vorsitz bis 2021 Bundeskanzlerin bleibt. Er schloss sich damit am Dienstagabend im ZDF-«heute journal» EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) an, der ebenfalls diesen Wunsch geäußert hatte. «Angela Merkel ist eine starke Stimme in Europa.»

In zwei Befragungen vom Dienstag liegt Merz in der Gesamtbevölkerung deutlich vor Annegret Kramp-Karrenbauer. In einer weiteren Umfrage liegen sie etwa gleichauf. Unter den CDU-Anhängern erhält die Generalsekretärin in einer Forsa-Blitzumfrage für das RTL/n-tv-Trendbarometer mehr Zuspruch als Merz. Hier erreicht die Saarländerin, die als Favoritin der Kanzlerin gilt, 62 Prozent Zustimmung, Merz 54 Prozent. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, der sich eine Kandidatur noch offen hält, liegt bei 36 Prozent, Spahn bei 29.