Berlin (dpa) - Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die künftige CDU-Spitze vor einem Rechtsruck der Partei gewarnt. Zugleich distanzierte er sich von Gesundheitsminister Jens Spahn, der den Flüchtlingszuzug als weiterhin gravierendes Problem für Deutschland sieht.

Laschet sagte der "Süddeutschen Zeitung": "Ich halte es jedenfalls für einen Fehler, auch aktuell wieder den Eindruck zu erwecken, die Migration sei das größte aller Probleme. Diese Analyse ist sachlich und politisch falsch und schadet."

Spahn, der sich neben Annegret Kramp-Karrenbauer und Friedrich Merz um die Nachfolge von Kanzlerin Angela Merkel an der CDU-Spitze bewerben will, hatte am Vortag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geschrieben, dass es nach wie vor "eine jährliche ungeordnete überwiegend männliche Zuwanderung in einer Größenordnung von Städten wie Kassel oder Rostock" gebe, was es zu begrenzen gelte.

Spahn, der wie Laschet aus dem NRW-Landesverband der CDU kommt, gilt als konservativer Gegenspieler von Merkel und hatte früh schon deren Flüchtlingspolitik kritisiert. Laschet, der auch CDU-Vize im Bund ist, will sich dafür einsetzen, dass die Christdemokraten einen "Kurs der Mitte" nicht verlassen. Er selbst hatte am Mittwoch erklärt, sich nicht für den Vorsitz der Bundes-CDU bewerben zu wollen.

Nach Darstellung des "Spiegel" wird die Merz-Kandidatur von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble befördert. Schäuble soll demnach Merz schon seit einiger Zeit geraten haben, sich auf die Nachfolge Merkels vorzubereiten. Zudem soll er Merz Termine verschafft haben, um seine Kandidatur in christdemokratischen Kreisen in Deutschland und Europa vorzubereiten und seine Chancen auszuloten.

Dem Bericht zufolge unterstützte Schäuble ein Treffen von Merz mit dem Vorsitzenden des europäischen konservativen Parteienbündnisses EVP, Joseph Daul, Mitte Oktober. Daul habe wiederum Merkel über dessen Pläne in Kenntnis gesetzt.

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus betonte, an der Spitze einer Volkspartei müsse ein Brückenbauer stehen. "Einer, der die unterschiedlichen Gruppen in der CDU zusammenführt und ausgleicht", sagte Brinkhaus der Funke-Mediengruppe. Es gehe "nicht um eine Verschiebung des Koordinatensystems nach links oder rechts". Bei der Landtagswahl in Hessen habe die CDU an die Grünen wie auch an die AfD verloren. "Unser Anspruch muss sein, diese Wähler zurückzugewinnen."

Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer gilt trotz einiger eigener Akzente als Merkel-Vertraute. Spahn und auch der frühere Unionsfraktionschef Merz werden dem konservativen Flügel zugerechnet. Daneben gibt es weitere politisch bisher nicht sonderlich in Erscheinung getretene Kandidaten. Merkel hatte angekündigt, beim Parteitag Anfang Dezember nicht wieder für den Vorsitz zu kandidieren. Ihre Kanzlerschaft will sie aber bis zum Ende der Legislaturperiode behalten.

Brinkhaus sagte, eine Ämtertrennung könne "gut funktionieren, wenn Fraktion, der oder die Parteivorsitzende und die Kanzlerin konstruktiv und vertrauensvoll zusammenarbeiten". Er fügte hinzu: "Moderne Politik ist Teamarbeit - die Zeit der Alpha-Typen ist vorbei." Mit der anstehenden Neubesetzung des CDU-Vorsitzes fällt aus seiner Sicht auch nicht automatisch eine Vorentscheidung über die nächste Kanzlerkandidatur.

Als erster Landesverband sprach sich die Saar-CDU klar für einen der drei namhaften Kandidaten aus: Kramp-Karrenbauer könne sich "der geschlossenen Unterstützung und des Rückenwindes aus ihrem Heimat-Landesverband auch bei dieser großen Herausforderung selbstverständlich gewiss sein", sagte ihr Nachfolger als Ministerpräsident, Tobias Hans, der "Bild"-Zeitung.

Nach den Worten des Chefs des Parlamentskreises Mittelstand in der Unionsfraktion, Christian von Stetten, ist die Partei "geradezu elektrisiert von dem Gedanken, dass Friedrich Merz Parteivorsitzender werden kann". Im ARD-"Morgenmagazin" lobte er am Freitag die "klaren Ansichten" und die "klare, deutliche Sprache" des Polit-Rückkehrers. Die CDU müsse inhaltlich "zum Markenkern zurückkehren" - dies habe "nichts mit Rechts/Links zu tun, sondern das ist der gesunde Menschenverstand".

Nach dem Verzicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel auf eine erneute Kandidatur für den CDU-Vorsitz haben sich bereits mehrere Kandidaten für ihre Nachfolge an der Parteispitze in Stellung gebracht. Die oder der Neue wird laut Parteistatut in einer geheimen Wahl vom CDU-Bundesparteitag gekürt.

Für die Wahl zum Parteichef ist die Mehrheit der gültigen abgegebenen Stimmen erforderlich. Gewählt wird per Stimmzettel. Falls im ersten Wahlgang niemand mehr als 50 Prozent der Stimmen bekommt, entscheidet eine Stichwahl.