Tel Aviv (dpa) - Massiver Raketenbeschuss auf Israel und Luftangriffe der israelischen Armee im Gazastreifen schüren die Sorge vor einem neuen Krieg. Militante Palästinenser feuerten nach israelischen Armeeangaben seit Montag rund 400 Raketen und Mörsergranaten aus dem Gazastreifen auf Israel ab.

Es handele sich um die intensivsten Angriffe auf Israel seit dem Gaza-Krieg 2014, sagte der israelische Armeesprecher Jonathan Conricus am Dienstag. Als Reaktion darauf habe die israelische Armee mehr als 100 militärische Ziele angegriffen. Das Auswärtige Amt zeigte sich besorgt.

Wie das palästinensische Gesundheitsministerium in Gaza mitteilte, wurden sieben Menschen getötet - allesamt militante Palästinenser, wie die entsprechenden Gruppierungen mitteilten. Zudem starb in der israelischen Stadt Aschkelon ein Mann, nachdem eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete in sein Haus eingeschlagen war. Auf beiden Seiten gab es Verletzte. Das Abwehrsystem Iron Dome (Eisenkuppel) fing nach israelischen Armeeangaben mehr als 100 der Geschosse ab.

Die Lage war eskaliert, nachdem der verdeckte Einsatz einer israelischen Spezialeinheit im Gazastreifen am Sonntag fehlgeschlagen war. Dabei waren sieben militante Palästinenser und ein israelischer Offizier getötet worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin zeigte sich alarmiert über die Lage im Süden Israels und im Gazastreifen. Es verurteilte die Raketenangriffe auf Israel. «Es kann für diese Gewalt gegen unschuldige Zivilisten keine Rechtfertigung geben», sagte eine Sprecherin. «Wir haben immer deutlich gemacht, dass Israel das Recht hat, seine Sicherheit zu verteidigen und auf Angriffe angemessen zu reagieren.»

Die Türkei verurteilte dagegen die israelischen Luftangriffe. Ibrahim Kalin, Sprecher des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, sagte nach Angaben der Staatsagentur Anadolu am Dienstag, die Angriffe Israels seien «brutal» und gesetzeswidrig. «Israel muss diese Angriffe gegen das Volk von Gaza sofort stoppen. Die angesichts der Angriffe Israels schweigende internationale Gemeinschaft muss Verantwortung übernehmen und zur Tat schreiten.»

Die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) machte allein Israel für die Eskalation der Lage verantwortlich, wie es in einer Mitteilung hieß. Sie rief die internationale Gemeinschaft zum Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung auf.

Die israelische Armee attackierte nach eigenen Angaben Ziele der im Gazastreifen herrschenden Hamas sowie der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad. Unter anderem seien Waffenlager und unterirdische Infrastruktur getroffen worden, sagte Conricus. Darüber hinaus seien vier große Gebäude der Hamas getroffen worden, darunter der Sitz des Fernsehsenders Al-Aksa, ein Gebäude der Hamas-Sicherheitskräfte in Gaza sowie eine Einrichtung des Militärgeheimdienstes.

Ein Sprecher der Hamas-Miliz drohte mit neuen Angriffen auf weiter entfernte israelische Ziele. Die radikalislamische Palästinenserorganisation forderte eine internationale Untersuchung der israelischen Angriffe «auf zivile Einrichtungen».

Israels Sicherheitskabinett kam am Vormittag zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Am Nachmittag berichteten israelische Medien, die Regierung habe Gespräche mit Ägypten und den Vereinten Nationen über eine Waffenruhe abgebrochen.

Nach israelischen Informationen verfügt die Hamas über ein Arsenal von rund 20.000 Raketen und Mörsergranaten verschiedener Reichweite. Einige davon könnten die größten israelischen Städte Tel Aviv und Jerusalem erreichen und sogar Ziele darüber hinaus, sagte Conricus.

Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Israel hat vor mehr als zehn Jahren eine Blockade über das Küstengebiet verhängt, die von Ägypten mitgetragen wird. Beide Länder begründen dies mit Sicherheitsinteressen. Im Gazastreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

Israels Armee bei Twitter