Straßburg (dpa) - Bahnreisende könnten künftig deutlich höhere Entschädigungen bei Zugverspätungen kassieren. Das EU-Parlament stimmt heute über entsprechende Forderungen des Verkehrsausschusses ab.

Demnach müssten Bahnunternehmen bei Verspätungen von mehr als einer Stunde die Hälfte des Ticketpreises zurückerstatten. Drei Viertel würden bei mehr als eineinhalb Stunden und der komplette Ticketpreis bei mehr als zwei Stunden fällig. Bislang haben Bahnreisende in Deutschland maximal Anspruch auf die Hälfte des Ticketpreises.

Mit der Abstimmung legt sich das EU-Parlament auf eine Position für die anstehenden Verhandlungen mit dem Rat der Mitgliedstaaten fest. Beide Institutionen müssen schließlich einen Kompromiss finden. Es geht darum, die seit 2009 bestehenden Regeln zu den Rechten von Bahnreisenden zu aktualisieren.

Der Europäische Verbraucherverband teilte im Vorfeld mit, die Rechte der Fahrgäste würden verbessert, wenn sich das Parlament für höhere Entschädigungen ausspricht. «Es ist nur gerecht, dass Verbraucher angemessen entschädigt werden, wenn ihr Zug sich verspätet oder ausfällt, denn solche Verkehrsstörungen wirken sich auf die Pläne der Menschen aus», teilte die Generalsekretärin des Verbands, Monique Goyens, mit.

Innerhalb des Parlaments umstritten ist die Frage, ob Bahnunternehmen im Falle von gravierenden Unwettern oder Terroranschlägen von Entschädigungszahlungen verschont bleiben sollen. Verbraucherschützer sehen eine solche mögliche Regelung äußerst kritisch.

Pressemitteilung zur Abstimmung im Verkehrsausschuss vom 9.10. (Engl.)