Gelsenkirchen (dpa) - Für Jubilar Thomas Müller war es «eine bittere Pille», Bundestrainer Joachim Löw sieht trotz der späten Ernüchterung eine «gute Basis» für das kommende Jahr.

«Eine junge Mannschaft braucht manchmal eine solche Erfahrung, um es in Zukunft besser zu machen», erklärte Löw nach dem 2:2 zum Abschluss eines insgesamt desolaten Länderspiel-Jahres 2018. «Normalerweise muss man so ein Spiel nach Hause bringen. Aber es ist eine sehr gute Basis, auf der man aufbauen kann», ergänzte der DFB-Chefcoach nach dem erfrischenden Auftritt im Klassiker gegen Holland.

«Es konnte jeder sehen. Da wächst auf jeden Fall was zusammen», sagte Leroy Sané, der ein Tor schoss (20. Minute) und zusammen mit seinen jungen Angriffs-Kollegen Timo Werner sowie Serge Gnabry die Niederländer in der Schalke-Arena 80 Minuten lang vor erhebliche Probleme gestellt hatte. Doch auch beim Jungstar von Manchester City wurde die Freude durch die zwei späten Tore der Holländer stark getrübt. «Wir müssen uns auch belohnen, gerade wenn wir so spielen», betonte Sané. Die lange Zeit dominierende und erfrischend agierende deutsche Nationalmannschaft hatte gleich mehrere beste Chancen auf das 3:0 vergeben.

«Das ist sehr ärgerlich. Es muss ein 2:0 auch mal reichen», erklärte Routinier und Ex-Weltmeister Toni Kroos. «Da müssen wir hinkommen. Hinten raus ist es für uns natürlich sehr, sehr bitter.» Das DFB-Team schließt die Top-Gruppe 1 der Nations League ohne Sieg als Gruppenletzter ab und muss in die Division zwei absteigen. Und bei der kommenden EM-Qualifikation droht nun eine schwierige Gruppe, da der Platz in Lostopf eins in arger Gefahr ist. Nur wenn Portugal gegen Polen am Dienstagabend gewinnt, rückt Deutschland noch in die Gruppe der gesetzten Teams.

«Am Ende ist das Ergebnis natürlich enttäuschend. Aber ich habe viel mehr Positives als Negatives gesehen», sagte Löw. Sein langjähriger, aber derzeit schwächelnder Tore-Garant Müller war nach dem Abend vor 42 186 Fans in Gelsenkirchen zwiegespalten. «Es ist die bittere Pille, die ich schlucken muss», bemerkte der 29-Jährige, der als 14. deutscher Spieler in den exklusiven Club der Hunderter einzog. «Die Kollegen haben mir gratuliert, und der Bundestrainer auch.» Er sei aber hergekommen, «um das Spiel zu gewinnen und das Glücksgefühl des Sieges zu erfahren», meinte Müller.

Oliver Bierhoff verwies auf «den psychologischen Aspekt» nach einem so unbefriedigendem Jahr. Die Negativserie wirke schon. «Die junge Mannschaft geht das sehr gut an. Und dann kann man Vertrauen daraus schöpfen. Und dann sind zwei Tore ein Dämpfer. Für heute überwiegt für mich das Kompliment für die Mannschaft, wie sie das gemacht hat», sagte der Manager. Müller hielt nach seinem 100. Spiel für Deutschland fest: «Wir haben einen neuen Schwung entfacht. Wir sind noch nicht zurück in der Weltspitze, aber man hat gesehen, was möglich ist.»

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