Buenos Aires/Berlin (dpa) - Aus G20 wird kurzzeitig G19: Nach der Panne des Regierungsfliegers hat Kanzlerin Angela Merkel den Auftakt des von Konflikten überschatteten G20-Gipfel verpasst.

Als Krisenmanagerin erwartet, ist Merkel einem schwerwiegenden technischen Defekt auf dem Weg zum G20-Gipfel wohl nur dank des Könnens des Flugkapitäns vor Schlimmerem bewahrt worden. «Es war eine ernsthafte Störung», sagte Merkel. Sie reiste mit zwölf Stunden Verspätung nach Argentinien - zunächst mit einer Maschine der Flugbereitschaft nach Madrid, dann per Linienflug weiter.

Der Handelskrieg, die Ukraine-Krise und die Khashoggi-Affäre belasteten den G20-Gipfel in Buenos Aires. Ein massives Aufgebot von 25.000 Sicherheitskräften war im Einsatz, um gewaltsame Ausschreitungen wie vor einem Jahr beim G20-Gipfel in Hamburg schon im Keim zu ersticken. Nach der Tötung des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul stand zum Auftakt der Beratungen der Umgang mit dem saudischen Kronprinz Mohammad bin Salman im Fokus. Der russische Präsident Wladimir Putin gab ihm lächelnd, fast kumpelhaft die Hand.

Ein Treffen Putins mit US-Präsident Donald Trump wurde wegen des neuen Konflikts mit der Ukraine erst einmal abgesagt. Für Freitag geplante bilaterale Treffen Merkels etwa mit Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping kamen wegen der verspäteten Anreise Merkels zunächst nicht zustande. Das Treffen mit Trump soll nun am Samstag nachgeholt werden. Merkel setzt darauf, eine weitere Verschärfung des Konflikts um Strafzölle abzuwenden. Gerade deutsche Autokonzerne fürchten dann erhebliche Folgen.

Bei den Beratungen der Staats- und Regierungschef wurde die Kanzlerin von ihrem Wirtschaftsberater und G20-Chefunterhändler Lars-Hendrik Röller vertreten. Nach dem gravierenden Defekt der Kanzlermaschine durch den Ausfall elektronischer Systeme war Merkel mit Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und einer kleinen Delegation von Madrid mit einer Linienmaschine der Fluggesellschaft Iberia nach Buenos Aires geflogen.

Vizekanzler Scholz wurde zunächst von Staatssekretär Wolfgang Schmidt vertreten - er und Röller waren zunächst die höchsten Repräsentanten Deutschlands in der Runde der Mächtigen. Zum zehnten Jubiläum der G20-Gipfel auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs gab es Zündstoff wie selten. Noch völlig unklar war, ob man sich auf eine Erklärung einigen kann.

Ursache für die Panne des Merkel-Fliegers war nach Angaben der Flugbereitschaft der Ausfall eines einzelnen Bauteils. Dabei handele es sich um eine elektronische Verteilerbox, sagte Oberst Guido Henrich, Kommandeur der Flugbereitschaft der Luftwaffe, in Köln. «Das war ein klassischer Ausfall eines Bauteils, wie es heute jederzeit passieren kann.» Inzwischen sei das Problem behoben. Auf die Frage, welches Gefahrenpotenzial der Vorfall gehabt habe, antwortete Henrich: «Keins.» Die Bundesregierung warnte vor einer Überbewertung des Zwischenfalls. Trotz des Ausfalls wichtiger Systeme habe keine unmittelbare Gefahr bestanden, hieß es.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri rief die Staats- und Regierungschefs zum Auftakt des Gipfels eindringlich zu einer engen Zusammenarbeit auf. «Globale Herausforderungen erfordern globale Lösungen», sagte der Staatschef. «Der Schlüssel ist Dialog, Dialog, Dialog.» Der Gipfel sei immer noch so wichtig wie vor zehn Jahren, als angesichts der Finanzkrise das G20-Treffen erstmals auf der Ebene der Regierungschefs stattfand. «Hier sehen sich die Staats- und Regierungschefs von Angesicht zu Angesicht. Hier können wir offen reden», sagte Macri. Der Gipfel endet am Samstag.