Berlin/Buenos Aires (dpa) - Bundeskanzlerin Angela Merkel ist nach einem schwerwiegenden technischen Defekt an ihrer Regierungsmaschine auf dem Weg zum G20-Gipfel wohl nur dank des Könnens des Flugkapitäns vor Schlimmerem bewahrt worden.

«Es war eine ernsthafte Störung», sagte Merkel in der Nacht zum Freitag nach der Landung in Köln/Bonn. Als bald nach dem Start von Berlin Richtung Buenos Aires das Funksystem ausfiel, musste die Maschine über den Niederlanden umdrehen.

Da auch das System zum Ablassen von Kerosin betroffen war, landete der Airbus A340 mit noch fast der gesamten Kerosinladung für den rund 12.000 Kilometer langen Flug an Bord. Die Maschine war damit so schwer, dass die Bremsen überhitzten. Löschfahrzeuge mit Blaulicht waren vorsichtshalber an der Landebahn in Bereitschaft gegangen.

Der «Spiegel» schrieb, nur mit dem Satellitentelefon an Bord sei es der Crew gelungen, Kontakt zur Flugleitstelle aufzunehmen und die Landung auf dem Flughafen in Köln-Bonn zu planen. Die Situation soll nach «Spiegel»-Informationen so brenzlig gewesen sein, dass Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) schon nach dem Komplettausfall der Funkanlage informiert wurde.

Merkel musste in Bonn übernachten und reiste erst am Freitagmorgen mit zwölf Stunden Verspätung nach Argentinien - zunächst mit einer Maschine der Flugbereitschaft nach Madrid, dann mit einem Linienflug nach Buenos Aires, wo sie am Abend (Ortszeit) zumindest noch am Dinner der Staats- und Regierungschefs der G20-Staaten teilnehmen wollte. Ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump fiel zunächst aus. Ob es nachgeholt werden könnte, war zunächst unklar. Auch das traditionelle G20-«Familienfoto» sowie wichtige Beratungen der Staats- und Regierungschefs verpasste die Kanzlerin.

Merkel wurde auf dem Linienflug nur noch von einer kleinen Delegation begleitet, darunter Vizekanzler Olaf Scholz, Regierungssprecher Steffen Seibert und der außenpolitische Berater Jan Hecker. Für Freitag geplante bilaterale Treffen am Rande des Gipfels, etwa mit US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping, kamen wegen der verspäteten Anreise Merkels zunächst nicht zustande. Ein Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin, bei dem es vor allem um die Ukraine-Krise gehen dürfte, sollte wie geplant am Samstag stattfinden.

Ursache für die Panne war nach Angaben der Flugbereitschaft der Ausfall eines einzelnen Bauteils. Dabei handele es sich um eine elektronische Verteilerbox, sagte Oberst Guido Henrich, Kommandeur der Flugbereitschaft der Luftwaffe, am Freitag in Köln. «Das war ein klassischer Ausfall eines Bauteils, wie es heute jederzeit passieren kann.» Inzwischen sei das Problem behoben. «Das Bauteil ist gewechselt, die Maschine ist funktionstüchtig.» Auf die Frage, welches Gefahrenpotenzial der Vorfall gehabt habe, antwortete Henrich: «Keins.»

Das bestätigte auch die Bundesregierung. Sie warnte vor einer Überbewertung des Zwischenfalls. Trotz des Ausfalls wichtiger Systeme habe keine unmittelbare Gefahr für Passagiere und Besatzung bestanden. «Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für Leib und Leben der Passagiere an Bord der Maschine. Und der Abbruch des Fluges ist in einem solchen Fall ein ganz normaler Vorgang», sagte eine Regierungssprecherin in Berlin. Das Verteidigungsministerium trat Berichten entgegen, wonach auch Sabotage als eine mögliche Ursache infrage komme.

Der gefährlichste Augenblick des abgebrochenen Fluges nach Buenos Aires war vermutlich die Landung des mit Kerosin noch fast voll betankten Fliegers. Die schwere Maschine - das maximale Startgewicht liegt bei bis zu 270 Tonnen - kam auf der Landebahn sicher zum Stehen. Dabei wurden allerdings vermutlich die Bremsen überhitzt. Auch für das Fahrwerk stellt eine solche Landung eine Herausforderung dar.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums betonte dennoch, aus dem Defekt habe sich nur eine «höhere abstrakte Gefahr» ergeben. «Es ist klar, dass man dann auf Nummer sicher geht.» Von Juni 2016 bis Juni 2018 seien insgesamt 16 Flüge der Flugbereitschaft der Bundeswehr ausgefallen. Das entspreche zwei Prozent der Flüge.

Flugzeuge der Bundesregierung bereiten immer wieder Probleme. Erst Mitte Oktober gab es eine Panne mit der «Konrad Adenauer». Nagetiere hatten die Maschine in Indonesien lahmgelegt und Finanzminister Scholz zur Rückreise per Linie von der Tagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gezwungen. Mäuse oder Ratten waren in den geparkten Airbus gelangt und hatten wichtige Kabel angeknabbert.

Somit war Scholz schon zum zweiten Mal binnen sechs Wochen Leidtragender eines Defekts an einem Langstrecken-Airbus, von denen die Flugbereitschaft nur zwei hat. Jüngst war es auch bei der Afrika-Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit der «Konrad Adenauer» zu Verzögerungen wegen eines technischen Defekts an einem Triebwerk gekommen.

Die «Konrad Adenauer» hat schon fast zwei Jahrzehnte auf dem Buckel. Die Lufthansa hatte die Maschine im März 2011 als Regierungsflieger für Langstrecken an die Flugbereitschaft der Bundeswehr übergeben. Zuvor war sie schon mehr als zehn Jahre für die Lufthansa als Passagiermaschine unterwegs, danach allerdings für die Regierung komplett umgebaut worden.

Damit Merkel auf der Rückreise nicht erneut auf einen Linienflug ausweichen muss, startete am Freitag um 13.30 Uhr die «Theodor Heuss» aus Köln Richtung Argentinien, wie die Luftwaffe in Berlin bestätigte. Es handelt sich um eine Maschine gleichen Typs wie die «Konrad Adenauer». Der genaue Zeitpunkt der Rückreise stand zunächst nicht fest. Die Besatzung müsse aber zehn Stunden Pause einlegen.

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Die «Konrad Adenauer» ist seit Frühjahr 2011 einer der Regierungsflieger in der Flotte der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Zuvor hatte die Lufthansa den Airbus A340 mehr als zehn Jahre im Passagierbetrieb, danach ist die Maschine komplett umgebaut worden.

Das vierstrahlige Flugzeug hat nach Angaben der Bundesregierung 143 Plätze - darunter ein Konferenzbereich mit 12 und ein Privatbereich mit 15 Sitzen. Die Maschine besitzt ein Raketenabwehrsystem und Selbstschussanlagen. Sie kann nonstop bis nach Washington, Peking oder Rio de Janeiro fliegen. Die «Adenauer» löste im Zuge einer Modernisierung der VIP-Flotte den gleichnamigen Vorgänger ab.