Kienitz (dpa) - Paul und Marietta Kamstra, Weltenbummler aus Holland, hängen mit ihrem Schiff seit mehr als einem halben Jahr auf der Oder fest. Der Grund ist das Niedrigwasser auf dem Fluss an der deutsch-polnischen Grenze.

Die beiden Holländer machen aber einen entspannten Eindruck: "Wir haben es nicht eilig, wohnen ohnehin auf unserem Schiff und genießen die Ruhe", sagt der 74 Jahre alte Hausherr.

Das schwimmende Heim des Paares, das eigentlich Europa erkunden wollte, ist 25 Meter lang und fünf Meter breit. Es liegt hinter dem Oderdeich im kleinen Hafen von Kienitz in Brandenburg. Auf 120 Quadratmetern hat sich das Ehepaar ein gemütliches Zuhause eingerichtet. Zwei bequeme Ledersessel stehen vor einem Kamin, kuschlige Kojen unter Deck wirken einladend. Küche, Dusche, Handarbeitszimmer - nichts fehlt.

Wer davon noch nicht beeindruckt ist, sollte einen Blick nach draußen werfen. Das bereits 1892 erbaute Wohnschiff "Avontuur" liegt in einem Seitenarm der Oder, in dem sich Enten und Möwen tummeln. "Wir haben das schönste Gefängnis, was ich mir denken kann", sagt Kamstra schmunzelnd. Biber, Fischotter und Seeadler hätten sie schon beobachtet. Nachts sei es bis auf ein paar Sterne so dunkel, wie in der Zivilisation nur noch selten zu finden, schwärmt er.

Der Fluss ist tückisch, erst recht bei Niedrigwasser. "Wir haben zwar derzeit eine durchschnittliche Tauchtiefe von einem Meter. Allerdings verändert sich die Fahrrinne aufgrund der Strömung und Wirbel in der Oder ständig", sagt Sebastian Dosch vom zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde. Ein normaler Güterverkehr auf dem Grenzfluss sei nicht in Sicht, solange im Einzugsgebiet der Oder in Polen und Tschechien ergiebige Niederschläge ausblieben.

Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde