Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat sich am Freitag zunächst etwas von seinem neuerlichen Zweijahrestief erholt. Gegen Ende der ersten Handelsstunde baute der Leitindex sein Plus mit einem Stand von 10 497,00 Punkten auf 1,11 Prozent aus.

Am Vortag war er noch bis auf 10 279 Punkte und damit auf sein tiefstes Niveau seit November 2016 abgesackt. Auftrieb kam zum Wochenschluss von der Wall Street, wo das Ping-Pong-Spiel der vergangenen Tage mit einer rasanten Erholung im späten Handel weiter gegangen war. Der Dow Jones Industrial hatte zunächst gut die Hälfte seiner 5-prozentigen Mittwochsgewinne wieder abgegeben. Dann aber legten die Anleger in New York erneut den Schalter um und trieben den US-Leitindex spät in die Gewinnzone.

Ob sich die freundliche Kurstendenz in den kommenden Stunden als nachhaltig erweisen wird, bleibt angesichts der zuletzt starken Kursausschläge an den globalen Börsen abzuwarten.

Der Index der mittelgroßen Werte MDax kletterte am Freitagmorgen um 0,90 Prozent auf 21 493,44 Punkte. Auch europaweit folgte der Markt der positiven Tendenz ab der Wall Street. Der EuroStoxx 50 kletterte um gut 1 Prozent auf 2967,75 Zähler.

Am letzten Handelstag des Jahres endet der Xetra-Handel in Frankfurt bereits mit der Schlussauktion um 14 Uhr. Dann wird der Dax wohl sein erstes Verlustjahr seit 2011 schreiben: Derzeit notiert er etwa 19 Prozent tiefer als Ende 2017. Nach einem Rekordstand von 13 596 Punkten im Januar haben ihm Zinsangst, politische Krisen und Konjunktursorgen vor allem in der zweiten Jahreshälfte deutlich zugesetzt.

Am Freitag kam der Dax aber zunächst weitgehend ohne Verlierer aus. Lediglich die Aktie von Fresenius Medical Care gab um 0,70 Prozent deutlich nach - und blieb so auf Talfahrt. Weil der Dialysekonzern mit Gewinnwarnungen bei den Anlegern viel Kredit verloren hatte, notieren die Aktien derzeit auf dem tiefsten Niveau seit Ende 2014.

Die Meisterschaft im deutschen Leitindex geht in diesem Jahr wohl an den Indexneuling Wirecard. Der Kurs des Bezahldienstleisters sackte zwar seit der Dax-Aufnahme im September deutlich ab, auf Jahressicht steht aber noch immer auf ein satter Gewinn von etwa 40 Prozent zu Buche. Am Freitag baute die Aktie diesen mit einem Anstieg um 3 Prozent aus. Ex-Aufsichtsratschef Klaus Rehnig hält eine baldige Übernahme durch einen internationalen Konzern für möglich.

Die rote Laterne in der ersten deutschen Börsenliga wird vermutlich die Deutsche Bank halten - mit Abgaben von aktuell fast 57 Prozent im Jahr 2018. Ein rabenschwarzes Börsenjahr, geprägt vom Umbau des größtes deutschen Geldhauses geht damit zu Ende. Im MDax droht der Commerzbank mit einem ähnlich deutlichen Jahresverlust das gleiche Schicksal wie dem Konkurrenten.

Die Favoritenrolle im Index mittelgroßer Werte MDax gehört derweil der Medizintechnik: Mit Aufschlägen von bis zu 40 Prozent haben mit Sartorius und Carl Zeiss Meditec zwei Indexneulinge aus dieser Branche ihre Nase klar vorn.