Berlin (dpa) - Bei dem Online-Angriff auf Politiker und Prominente sind persönliche Daten und Dokumente von hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Netz veröffentlicht worden.

Betroffen seien «alle Ebenen» - Politiker aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu den Kommunen, sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz in Berlin. Fietz warnte, es könnten auch gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein.

Das Kanzleramt hat nach diesen Angaben am Donnerstagabend Kenntnis von dem Fall bekommen. Aus dem Kanzleramt selbst sind den Angaben zufolge infolge des Datenlecks keine sensiblen Daten abgeflossen. Das gelte auch für den Bereich von Kanzlerin Angela Merkel, sagte Fietz.

Der renommierte Karlsruher IT-Sicherheitsexperte Christoph Fischer glaubt nicht, dass die geleakten Daten aus einem zentralen Mail-Server des Bundestags stammen. Bei den Daten handele es sich um ein Potpourri an Material aus verschiedenen Hacks auf Mail-Accounts, sagte Fischer der dpa. «Da hat jemand offenbar mit viel Fleißarbeit versucht, Mail-Accounts zu öffnen».

Von dem Angriff auf die Privatsphäre sind alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD betroffen. Auch Daten von Prominenten, etwa der Moderator Jan Böhmermann, wurden veröffentlicht. Es liege nahe, dass das Daten-Leak «aus der rechten Ecke» komme, sagte Fischer. Möglich sei es aber, dass der Hack «aus Spaß an der Freude» erfolgte - «die Datenlage sieht danach aus».

Die massenhafte Veröffentlichung persönlicher Daten von Politikern ist nach ersten Erkenntnissen nicht das Ergebnis eines Hackerangriffs auf den Bundestag. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Freitag aus dem Bundestag erfuhr, geht das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gegenwärtig davon aus, dass die Daten aus öffentlichen Bereichen des Internets wie Sozialen Medien oder Webauftritten stammen sowie teilweise aus privaten «Clouddaten».

Zu den Daten zählen unter anderem Telefonnummern und Chat-Verläufe. Die Sicherheitsbehörden bemühen sich den Angaben zufolge, möglichst schnell dafür zu sorgen, dass die Daten nicht mehr abgerufen werden können. Ein Twitter-Account wurde am Freitag gesperrt.

Der Sprecher des Innenministeriums sagte, das Cyber-Abwehrzentrum habe die Koordination in diesem Fall übernommen. Es ist beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) angesiedelt.

Die Bundesregierung wertet die massenhafte Veröffentlichung teils sensibler Daten von Politikern, Parteien und Prominenten als «schwerwiegenden Angriff». «Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen», erklärte Justizministerin Katarina Barley (SPD).

Wie das rbb-Inforadio als erstes berichtet hatte, wurden bereits vor Weihnachten große Mengen persönlicher Daten und Dokumente von Politikern, Künstlern und Journalisten über Twitter veröffentlicht. Betroffen ist auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU). In einem Datensatz tauchen unter anderem eine Faxnummer, eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe auf.

Wer für das Datenleck verantwortlich ist und welche Motivation dahintersteckt, war zunächst noch unklar. Auch ob alle Daten authentisch sind, war zunächst offen. Der Inhaber des genannten und inzwischen gesperrten Twitter-Accounts beschreibt sich selbst mit Begriffen wie Security Researching, Künstler, Satire und Ironie.

Barley betonte, die Täter müssten rasch ermittelt und ihre möglicherweise politischen Motive aufgeklärt werden. «Kriminelle und ihre Hintermänner dürfen keine Debatten in unserem Land bestimmen», mahnte die Justizministerin. Die Sicherheitsbehörden bemühen sich nach dpa-Informationen, möglichst schnell dafür zu sorgen, dass die Daten nicht mehr abgerufen werden können.

Die Dokumente wurden dem rbb-Bericht zufolge vor Weihnachten über Twitter auf einer Art Adventskalender über mehrere Tage hinweg verbreitet und blieben zunächst weitgehend unbemerkt - bis Donnerstagabend. Seitdem beschäftigen sie die Partei- und Fraktionsführungen.

«Wir sind seit gestern Abend mit dem Thema befasst und kümmern uns darum, unsere Leute zu informieren», sagte ein Sprecher der SPD am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Ansonsten ist das natürlich eine Sache für die zuständigen Behörden. Wir stehen mit ihnen in Kontakt, die Behörden wurden von uns informiert.»

Betroffen sind laut rbb alle im Bundestag vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung wurden nicht nur Daten von Politikern und Parteien veröffentlicht, sondern auch von Bands, Moderatoren und Journalisten. Zu den Opfern zähle auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Eine Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.

Veröffentlicht wurden vor allem Handynummern und Adressen, aber zum Teil sehr persönliche Daten wie Personalausweise, Chats, Briefe, Rechnungen oder Kreditkarteninformationen. In Einzelfällen seien sogar private Chats im Familienkreis und Kreditkarteninformationen von Familienmitgliedern ins Internet gestellt worden, berichtete der rbb. Die Auswahl der Dokumente scheine willkürlich. Darunter befinden sich parteiinterne Briefe, Mitglieder- oder Adresslisten, die zum Teil mehrere Jahre alt sind.

Wer hinter der Veröffentlichung steckt, ist noch unklar. Der Inhaber des Accounts befinde sich nach eigenen Angaben in Hamburg, meldete der rbb.