Wiesbaden (dpa) - Der CDU-Politiker Volker Bouffier will sich heute im hessischen Landtag zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten wählen lassen.

Bei der ersten Sitzung des neu gewählten Landesparlaments steht die Neuauflage der schwarz-grünen Regierungskoalition vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. CDU und Grüne verfügen über eine hauchdünne Mehrheit von einem Sitz. Alle 69 Abgeordneten beider Fraktionen müssen demnach vor Ort sein und für Bouffier votieren, damit der 67-Jährige das Bündnis in die zweite Amtszeit führen kann.

Im Sommer 2010 war der damalige hessische Innenminister Bouffier in der laufenden Legislaturperiode als Nachfolger von Roland Koch (CDU) an die Spitze einer schwarz-gelben Regierungskoalition gewählt worden. Zum Start der schwarz-grünen Regierung 2014 verbuchte der hessische CDU-Chef ein Traumergebnis - jedoch erst im zweiten Wahlgang.

Der erste Durchlauf war ungültig gewesen, da aus Versehen mehrere Wahlzettel mit dem Namen «Max Mustermann» ausgegeben worden waren. Beim zweiten Wahlgang erhielt Bouffier dann 62 von 109 Stimmen - damit rechnerisch alle 61 Stimmen aus den Regierungsfraktionen von CDU und Grünen plus eine weitere von der Opposition.

In Hessen gibt es nicht das erste Mal knappe Verhältnisse: Von 1999 bis 2003 verfügte die schwarz-gelbe Landesregierung unter Koch über lediglich eine Stimme Mehrheit, ebenso die CDU-Alleinregierung in den darauf folgenden fünf Jahren. In Schleswig-Holstein ging eine Ein-Sitz-Mehrheit dagegen schon einmal schief: Als sich Heide Simonis (SPD) 2005 mit Hilfe des Südschleswigschen Wählerverbands (SSW) zur Chefin einer rot-grünen Minderheitsregierung wählen lassen wollte, scheiterte sie viermal spektakulär im Parlament. Welcher Abgeordneter der geplanten Koalition oder vom SSW sich der Stimme enthielt, ist bis heute unbekannt.

Vor der Wahl des Ministerpräsidenten stehen am Freitag im hessischen Landtag weitere Abstimmungen an. Unter anderem soll der bisherige Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) neuer Landtagspräsident werden. Außerdem müssen die Abgeordneten über die Vizepräsidenten entscheiden. Die Sitzung wird vom ältesten Parlamentarier eröffnet, dem AfD-Politiker Rolf Kahnt. Die AfD ist erstmals im hessischen Landtag vertreten und sitzt damit in allen deutschen Länderparlamenten sowie im Bundestag.

Landtag zum Ablauf der konstituierenden Sitzung