Davos (dpa) - Ohne US-Präsident Donald Trump und den französischen Staatschef Emmanuel Macron beginnt heute in Davos die 49. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums.

Mit Spannung erwartet wird die erste größere Rede des rechtspopulistischen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, dessen jüngster Wahlsieg das größte Land Lateinamerikas spaltet. Zum Auftakt des viertägigen Treffens in den Schweizer Alpen steht auch ein Gespräch zwischen dem britischen Prinzen William und dem Naturfilmer Sir David Attenborough über Umweltschutz auf dem Programm. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird am Mittwoch in Davos erwartet.

Bei der Tagung diskutieren mehr als 3000 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft über Lösungen für internationale Probleme wie Klimawandel, Cyberattacken und Handelskriege. Die Tagung steht in diesem Jahr unter dem Motto «Globalisierung 4.0: Auf der Suche nach einer globalen Architektur im Zeitalter der Vierten Industriellen Revolution». Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan forderte, das Treffen müsse den Klimawandel stärker in den Fokus nehmen.

«Es gibt jedes Jahr ein bestimmendes Thema in Davos. Und in diesem Jahr müsste Klima dieses Thema sein», sagte Morgan der Deutschen Presse-Agentur. Jeder Teilnehmer müsse den Klimawandel ansprechen. «Das ganze Konzept und der Ansatz hier sind unvereinbar mit der Realität des Klimawandels.» Morgan kritisierte: «Man kann nicht über Globalisierung oder über industrielle Revolution 4.0 reden, ohne den Klimawandel als Rahmenbedingung zu setzen und zu verstehen.»

Der britische Naturfilmer Attenborough forderte die Teilnehmer zum Einsatz gegen den Klimawandel auf. Der Temperaturanstieg müsse gestoppt und die Meere müssten gereinigt werden, sagte er am Montagabend. «Wir tun den Ozeanen sehr schlimme Dinge an.» In Davos seien Menschen versammelt, die Macht hätten. «Wir müssen sie davon überzeugen, dass wir in einer riesigen Krise stecken.»

Zahlreiche Sicherheitskräfte sind in der ganzen Schweiz wegen der Konferenz im Einsatz. Außer der Polizei können bis zu 5000 Soldaten eingesetzt werden. Die Kosten betragen etwa 32 Millionen Schweizer Franken (28 Mio Euro), wie örtliche Medien berichteten. Der Luftraum über Davos ist in einem Umkreis von 46 Kilometern und bis zu 6000 Metern Höhe gesperrt. Viele Staats- und Regierungschefs werden mit Helikoptern in das Tal eingeflogen.

In mehreren Schweizer Städten hatte es am Wochenende Demonstrationen gegen das WEF, aber auch gegen den Besuch des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro gegeben. Kritiker werfen dem Ex-Militär rassistische, sexistische und schwulenfeindliche Äußerungen vor. Zudem erwägt Bolsonaro den Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen.

Anleger hoffen indes auf eine liberale Wirtschaftspolitik des Mannes, der bereits kurz nach seinem Amtsantritt zum Jahreswechsel die Privatisierung einer Reihe von Flug- und Seehäfen ankündigte. Die Finanzmärkte begrüßten den Regierungswechsel in Lateinamerikas größter Volkswirtschaft mit kräftigen Kursgewinnen.

Allerdings ist noch immer unklar, welchen Kurs der in Wirtschaftsfragen unerfahrene neue Präsident einschlagen wird. Sein Wirtschaftsminister Paulo Guedes will als Anhänger der ultraliberalen Chicago-Schule das Rentensystem privatisieren, Steuern senken und Staatsbetriebe wie den mächtigen Ölkonzern Petrobras privatisieren. Die Militärs in Bolsonaros Umfeld setzen hingegen auf staatlich gelenkte Schlüsselindustrien. Welche Strömung sich letztlich durchsetzt, muss sich erst noch zeigen.

Aus Deutschland reisen außer Merkel mehrere Minister sowie CDU-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer nach Davos. US-Präsident Trump und wichtige Regierungsvertreter aus Washington haben ihre Teilnahme indes wegen des Haushaltsstreits mit den Demokraten abgesagt. Auch Frankreichs Präsident Macron und die britische Premierministerin Theresa May reisen wegen innenpolitischer Probleme nicht nach Davos. Zugesagt haben unter anderen UN-Generalsekretär António Guterres, Chinas Vizepräsident Wang Qishan und der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie zahlreiche Chefs und Vorstände internationaler und deutscher Großkonzerne.

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