Berlin (dpa) - Seit Jahren wird über die Ostseepipeline Nord Stream 2 gestritten. Es gibt zwar bereits eine Erdgasleitung namens Nord Stream 1, künftig sollen aber durch die neue Röhre jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas zusätzlich von Russland nach Deutschland strömen.

WIE WEIT IST DER BAU? Rund ein Viertel, also etwa 600 der insgesamt 2400 Kilometer Rohre, seien bereits zwischen Russland und Deutschland verlegt, erklärte diese Woche der österreichische Energiekonzern OMV. Die Strecke, auf der die Rohre doppelt verlegt werden, ist insgesamt 1200 Kilometer lang. Die Arbeiten sollen Ende des Jahres fertig sein.

MACHT SICH DEUTSCHLAND VON RUSSISCHEM GAS ABHÄNGIG? Viele EU-Länder treibt diese Sorge um, auch aus den USA kommt Widerstand. Kritiker weisen aber darauf hin, dass die USA gern selbst mehr Flüssiggas verkaufen würden. 2017 lag der Anteil russischen Gases am deutschen Erdgasimport nach Angaben der deutschen Energiewirtschaft bei rund 40 Prozent. Gas importiert Deutschland aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Allerdings dürfte Russland seine Stellung als wichtigster Lieferant Deutschlands durch die Pipeline noch ausbauen.

WIE WICHTIG IST DAS PROJEKT FÜR RUSSLAND? Für Russland ist Deutschland als weltweit größter Brutto-Importeur von Gas ein wichtiger Handelspartner. Rund 125 Milliarden Kubikmeter werden laut neuester Zahlen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jährlich importiert. Russlands mächtiger Gas-Monopolist Gazprom hat eigenen Angaben zufolge rund 194 Milliarden Kubikmeter an Staaten vor allem in der EU verkauft - mehr als 40 Prozent seiner Förderung 2017. In Nord Stream 2 investiert auch Russland kräftig. Der Gesamtumfang liegt aktuell bei rund 10 Milliarden Euro.

WER IST BETEILIGT? Bei Nord Stream 2 ist Gazprom formal einziger Anteilseigner. Dazu kommen aber als «Unterstützer» die deutschen Konzerne Wintershall - eine Tochter der BASF - und Uniper (Abspaltung von Eon) sowie die niederländisch-britische Shell, Engie (einst GDF Suez) aus Frankreich und OMV aus Österreich. Nord-Stream-Aufsichtsratschef ist Altkanzler Gerhard Schröder (SPD), bei Nord Stream 2 ist er Präsident des Verwaltungsrats. Darüber hinaus sind über 670 Unternehmen an dem Projekt beteiligt - sie kommen laut einem Sprecher aus 25 Ländern in Europa.