Paris (dpa) - In der diplomatischen Krise mit dem EU-Partner Italien rechtfertigt Frankreich den zeitweiligen Rückruf seines Botschafters aus Rom.

Der französische Regierungssprecher Benjamin Grivaux machte am Freitag im Radiosender Europe 1 deutlich, dass Paris nicht über den Besuch des italienischen Vize-Regierungschefs Luigi Di Maio informiert worden sei. «Wenn ein Minister einer ausländischen Regierung nach Frankreich kommt (...), erfordern es der Anstand, die Höflichkeit und die elementarste Diplomatie, dass die Regierung benachrichtigt wird.»

Paris hatte am Donnerstag seinen Botschafter aus dem Nachbarland für Gespräche zurückgerufen. «Das ist kein dauerhafter Rückruf», sagte Griveaux. Di Maio war Anfang der Woche in Frankreich mit französischen «Gelbwesten»-Aktivisten zusammengekommen. Die «Gelbwesten»-Bewegung demonstriert seit Monaten gegen den Präsidenten Emmanuel Macron und die Reformpolitik der Mitte-Regierung.

Di Maio bezeichnete sein Treffen mit Vertretern der «Gelbwesten» als «vollkommen legitim». «Und ich beanspruche das Recht auf Dialog mit anderen politischen Kräften, die das französische Volk repräsentieren», sagte er der italienischen Tageszeitung «Il Messaggero». «Ich bin Europäer. Und sich in einem Europa ohne Grenzen zu befinden, bedeutet auch Freiheit für die politischen Beziehungen, nicht nur für den Waren- und Personenverkehr.»

Griveaux sagte, der Dialog mit Italien sei nicht unterbrochen. Er ließ auch durchblicken, dass Ansprechpartner für Macron nicht die Minister Di Maio oder Matteo Salvini seien, sondern der Regierungschef Giuseppe Conte.