Berlin/Riad (dpa) - Immer mehr Menschen aus Saudi-Arabien fliehen aus dem erzkonservativen Königreich und beantragen Asyl in Deutschland und anderen EU-Ländern. Ihre Zahl habe sich weltweit im Jahr 2017 verdreifacht, sagte ein Sprecher der Menschenrechtsorganisation Amnesty International der Deutschen Presse-Agentur.

Die steigende Zahl von Asylsuchenden und die Unterdrückung von Aktivisten und Kritikern der Regierung seien ein alarmierendes Zeichen für die Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien.

Verglichen mit den insgesamt etwa 130.000 Asylanträgen allein im vergangenen Jahr in Deutschland ist die Zahl der Gesuche aus Saudi-Arabien allerdings gering. In den vergangenen vier Jahren beantragten in Deutschland nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat etwa 180 Menschen aus Saudi-Arabien Asyl in Deutschland. Europaweit waren es demnach knapp 700 Anträge. Allerdings gab es in den vier Jahren zuvor - von 2011 bis 2014 - nur 15 (Europa: 210) Anträge.

Vor allem junge Frauen versuchen nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten verstärkt, aus dem Land zu fliehen. Sie dürfen in Saudi-Arabien nur mit Erlaubnis eines männlichen Vormunds einen Pass beantragen, das Land verlassen oder heiraten. Erst am Donnerstag hatte das EU-Parlament die saudische Regierung aufgefordert, das Vormundschaftssystem umgehend abzuschaffen.