Liverpool (dpa) - Vorteil FC Bayern. Mit internationaler Reife hat der deutsche Fußball-Rekordmeister der Offensivwucht des FC Liverpool an der gefürchteten Anfield Road widerstanden.

Auch wenn es für die Münchner im ersten Teil der großen Champions-League-Kraftprobe nicht zum ersten deutschen Europakalerfolg in Liverpool langte können sie nach dem 0:0 voller Zuversicht dem Achtelfinal-Rückspiel am 13. März in der Allianz Arena entgegensehen. Zumal das Premier-League-Team von Trainer Jürgen Klopp in der Gruppenphase alle drei Auswärtsspiele gegen Paris Saint-Germain, SSC Neapel und Roter Stern Belgrad verlor.

«Hier in Liverpool so zu bestehen, ich fand, dass wir das richtig gut gemacht haben», sagte Bayern-Trainer Niko Kovac. «Wenn wir eine Struktur im Spiel haben, ist es schwer, auch für Liverpool ein Tor zu erzielen. Wir haben unser Ziel erreicht», sagte Kovac.

«Wir wussten, auf wen wir treffen, und dass sie schnelle Spieler haben. Wir haben gut verteidigt und standen sehr kompakt. Wir wollten ein gutes Ergebnis erzielen. Auswärts erzielst du gerne ein Tor, aber alle haben mitgearbeitet», sagte Kapitän Manuel Neuer bei Sky und bezeichnete die Ausgangslage als «nicht ganz so schlecht».

Klopp sieht seine Reds aber nicht klar im Nachteil. «Das ist kein Traumergebnis, aber ein Ergebnis, mit dem wir arbeiten können», sagte der Liverpool-Coach. Richtig glücklich wirkte er aber nicht. «Vor dem Spiel ist viel gequatscht worden, und dann ist das herausgekommen.»

Die in dieser Saison oft patzende Bayern-Abwehr stand um den sehr souveränen Mats Hummels insgesamt stabil und überstand mit Glück auch einige brenzlige Momente. «Die Bayern waren superkonzentriert und haben uns das Leben schwer gemacht», meinte Klopp.

Ein Fußball-Spektakel erlebten die 52.000 Zuschauer bei Wind und Regen nicht. Kovac hatte seine Elf auch ohne den gesperrten Thomas Müller und den verletzten Arjen Robben in seinem ersten K.o.-Spiel der Königsklasse taktisch klug eingestellt. Umstellen muss Kovac im Rückspiel seine Defensive, da Joshua Kimmich dann wegen der dritten Gelben Karte fehlen wird.

Am Spielfeldrand lieferte sich der Kroate einige Wortwechsel mit Kontrahent Klopp. «Das ist es, warum wir Fußballer geworden sind, warum wir arbeiten. Das sind die Spiele, wo man hin möchte», sagte Kovac kurz vor Teil eins seiner Trainer-Reifeprüfung am Sky-Mikrofon.

Und seine Spieler folgten dem taktischen Plan: Hohe Konzentration, konsequente Fehlervermeidung, Liverpool nicht die Chance zum Überfall-Fußball geben und der euphorischen Menge an der Anfield Road keine Hochstimmung gönnen. Das gelang gerade in der Anfangsphase gut. Besonders der für den verletzten Leon Goretzka neben Thiago auf der Doppelsechs aufgebotene Javier Martinez war trotz wenig Spielpraxis ein Stabilitätsfaktor.

Die Reds hatten aber auch sichtbar Respekt und ließen den Bayern Ball und Raum. Die Klopp-Idee war klar: Auf Münchner Fehler im Aufbau lauern und dann blitzschnell in eine ungeordnete Defensive stoßen. Den Gefallen taten die Bayern ihnen aber vorerst selten. Mohamed Salah (12. Minute) brachte keinen Druck hinter den Ball. Sadio Mané (16.) zog an Kimmich vorbei, aber auch am Tor.

Auch die Bayern kamen zu Möglichkeiten. Nach einer Hereingabe von Serge Gnabry schoss Joel Matip (13.) seinen eigenen Torhüter Alison Becker an. Kingsley Coman - rechtzeitig von seinem Knöchel-Schreck am Freitag in Augsburg genesen - schoss ans Außennetz (16.). Die Bayern kontrollierten das Geschehen, statt Spektakel gab es Rasenschach.

Erst im Laufe des Spiels nahm Liverpool mehr Tempo auf und wurde nun auch gefährlich. Salah (24.) lauerte am langen Pfosten für einen Kopfball und Mané (32.) war plötzlich völlig frei, schoss aber offensichtlich überrascht über soviel Platz überhastet vorbei. Auch Matip (40.) verfehlte nach einer scharfen Hereingabe das Ziel. Die offensive Grund-Gefährlichkeit Liverpools fehlte den Bayern. Auch aus Ballbesitz-Plus und einigen Ecken wurden keine Chancen mehr kreiert.

Kovac und Klopp dachten gar nicht daran, ihre Taktik für die zweite Halbzeit zu ändern. Weiter lauerte Liverpool um den emsigen aber ungewohnt schludrigen Salah. Die Bayern aber offenbarten wenige Lücken. Als Coman (60.) doch mal patzte, waren Martinez und Hummels kollektiv da, um Trent Alexander-Arnold im Strafraum zu stoppen.

Kurz zuvor hatte Gnabry (59.) mit einem beherzten Schuss ein Ausrufezeichen gesetzt. Offensiv gelang den Bayern sonst nur noch wenig. Aber auch die große Schlussattacke - sonst eine Stärke der Reds - blieb aus. Als Mané zum Kopfball kam (85.) war Torwart Manuel Neuer im kurzen Eck zur Stelle.