Frankfurt/Main (dpa) - Die Aussicht auf eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank dürfte bei den Aufsichtsratssitzungen der Institute für Zündstoff sorgen. Die Gewerkschaft Verdi bekräftigte vor den beiden Treffen am Donnerstag ihre Ablehnung eines Zusammenschlusses.

«Wir werden die Kritik bei den Sitzungen der Kontrollgremien von Commerzbank und Deutscher Bank zur Sprache bringen», sagte Verdi-Bankenexperte Jan Duscheck der Deutschen Presse-Agentur.

Die Termine für die jeweiligen Aufsichtsratssitzungen stehen schon länger fest. Es dürfte vor allem um die Genehmigung der Jahresabschlüsse gehen. Trotzdem dürfte das Fusionsthema zur Sprache kommen. Beschlüsse dazu werden jedoch nicht erwartet, die offiziellen Gespräche stehen noch am Anfang.

Deutsche Bank und Commerzbank hatten am Sonntag nach monatelangen Spekulationen die Aufnahme von Gespräche angekündigt. Sie betonten zugleich, dass eine Fusion keine ausgemachte Sache sei.

Der Gewerkschafter Duscheck sagte: «Ich glaube nicht, dass Vorstand und Aufsichtsrat grundsätzlich gut beraten wären, einen Zusammenschluss gegen den Widerstand der Arbeitnehmer durchzusetzen.» Er verwies in diesem Zusammenhang auf die Integration der Postbank in den Deutsche-Bank-Konzern, «bei der noch viele Maßnahmen anstehen, denen Betriebsräte und Verdi zustimmen müssen». Die Gewerkschaft befürchtet im Fall einer Fusion den Verlust von bis zu 30 000 Arbeitsplätzen. Ende 2018 beschäftigten beide Institute zusammen gut 133 000 Vollzeitkräfte.

Befürworter eines Zusammengehens glauben, dass die Banken nur gemeinsam stark genug wären, um sich gegenüber der weltweiten Konkurrenz zu behaupten.

Manche Finanzprofis sind allerdings skeptisch. «Die Chancen, dass beide Banken eine bessere neue Einheit bilden können, sind gering - die bestehenden Ertragsprobleme lassen sich so kaum lösen», sagte Michael Hünseler, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Assenagon. Zudem werde ein Zusammenschluss auf absehbare Zeit wichtige Ressourcen bei Mitarbeitern und beim Management der Institute binden und so möglicherweise die Ertragskraft weiter schwächen.

Positiv könnten aus Hünselers Sicht unter anderem Größenvorteile im Privatkunden-Geschäft sein. Insgesamt bewerte er eine Fusion «jedoch als nicht zielführend, nicht zuletzt auch aufgrund komplexer Bewertungs- und Bilanzierungsfragen sowie gravierender Unterschiede in der Unternehmenskultur.»