Tel Aviv/Gaza (dpa) - Nach einem Raketenangriff aus dem Gazastreifen auf ein Haus nordöstlich von Tel Aviv verlegt Israel weitere Truppen in die Nähe des Palästinensergebiets am Mittelmeer.

Eine israelische Armeesprecherin sagte am Montag, man wolle zwei Brigaden entsenden, Infanterie und Panzer. Außerdem solle eine begrenzte Anzahl von Reservisten in verschiedenen Einheiten für spezifische Aufgaben einberufen werden.

Eine aus Rafah im südlichen Gazastreifen abgefeuerte Rakete habe das Haus in der Gemeinschaftssiedlung Mischmeret direkt getroffen, sagte die Sprecherin. Nach Angaben von Sanitätern wurden sieben Menschen verletzt, darunter auch kleine Kinder. Das Gebäude wurde bei dem Einschlag weitgehend zerstört. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu will angesichts des Raketenbeschusses seine US-Reise verkürzen. Der Angriff erfolgte inmitten des Wahlkampfes vor der Parlamentswahl am 9. April.

Mischmeret liegt rund 30 Kilometer nordöstlich der Küstenmetropole Tel Aviv. Zuletzt war während des Gaza-Kriegs 2014 eine Rakete so weit nördlich eingeschlagen. Das Geschoss schlug damals in der Küstenstadt Chadera ein, rund 120 Kilometer nördlich vom Gazastreifen.

«Es gab hier einen bösartigen Angriff auf den Staat Israel, und wir werden mit Nachdruck reagieren», kündigte Netanjahu an. «Angesichts der sicherheitspolitischen Vorfälle habe ich beschlossen, meinen Besuch in den USA zu verkürzen.» Er wolle direkt nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump zurückreisen, «um unsere Aktionen aus der Nähe zu leiten».

Es handele sich um eine von der im Gazastreifen herrschenden Hamas selbst hergestellte Rakete, sagte die Armeesprecherin. Sie habe eine Reichweite von rund 120 Kilometern - das ist etwas weniger als die Entfernung von Berlin nach Magdeburg. «Wir sehen die Hamas als verantwortlich für alles, was im Gazastreifen passiert», sagte die Armeesprecherin.

Israel ordnete nach dem neuen Raketenangriff die Schließung der Grenzübergänge in den Gazastreifen und die Einschränkung der Fischereizone vor der Küste an.

Nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom waren unter den Verletzten auch drei Kinder - ein Baby, ein dreijähriges Kleinkind und eine Zwölfjährige. Eine 60 und eine 30 Jahre alte Frau seien unter anderem durch Raketensplitter verletzt worden. Zudem würden einige Menschen wegen Schocks behandelt. Die Polizei sperrte das Gebiet ab.

Der überraschende Angriff erfolgte mitten im israelischen Wahlkampf, zwei Wochen vor der Parlamentswahl. Die Partei Die Neue Rechte teilte nach dem Raketenangriff mit: «Man muss ehrlich sagen: «Netanjahu ist gegenüber der Hamas gescheitert. Die Freilassung von Terroristen, die Angst davor, die Häuser von Terroristen zu zerstören, die Beschwichtigungspolitik gegenüber den Raketenangriffen im Süden - all dies hat dazu geführt, dass die Hamas keine Angst mehr vor Israel hat.»

Am 14. März hatte es den ersten palästinensischen Raketenangriff auf die Küstenmetropole Tel Aviv seit dem Gaza-Krieg 2014 gegeben. Daraufhin hatte Israels Luftwaffe rund 100 Ziele in dem Palästinensergebiet am Mittelmeer bombardiert. Damals hieß es, die beiden Geschosse seien versehentlich aus dem Gazastreifen abgefeuert worden.

Der Konflikt mit der im Gazastreifen herrschenden Hamas hatte sich zuletzt wieder verschärft. An der Grenze zu Israel kommt es wieder verstärkt zu teilweise gewaltsamen Protesten.

Im Gazastreifen kam es außerdem zuletzt zu Protesten gegen die harten Lebensumstände in dem blockierten Küstenstreifen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte, die Hamas-Polizei sei brutal gegen die Demonstranten vorgegangen. Mehr als tausend Menschen seien in diesem Monat festgenommen worden. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen Steuern, die Hamas erhebt, unter anderem auf Zigaretten und Lebensmittel.

Am Sonntagabend hatten israelische Panzer nach Armeeangaben Hamas-Posten in dem Palästinensergebiet beschossen. Militante Palästinenser hätten zuvor Flugkörper mit Sprengsätzen nach Israel geschickt und Soldaten an der Grenze mit Sprengsätzen beworfen.

Seit Beginn von Protesten vor einem Jahr sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums an der Gaza-Grenze mehr als 260 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden. Die Demonstranten fordern unter anderem ein Ende der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Blockade des Palästinensergebiets am Mittelmeer. Israel und Ägypten begründen die Blockade mit Sicherheitsinteressen. Die Hamas wird von der EU, Israel und den USA als Terrororganisation eingestuft. In dem Küstenstreifen leben rund zwei Millionen Menschen unter schwierigen Bedingungen. Es mangelt unter anderem an Trinkwasser und Strom.

Israels Armee bei Twitter

Bericht bei Haaretz (englisch)

Bericht der Jerusalem Post

Bericht von Human Rights Watch zu Protesten im Gazastreifen