München (dpa) - Sie gab die Lucrezia Borgia oder die Königin der Nacht: Seit mehr als 50 Jahren begeistert Edita Gruberova das Opernpublikum in aller Welt. Nun ist Schluss damit.

Am Mittwoch (19.00 Uhr) verabschiedet sich die 72-jährige Sopranistin in der Bayerischen Staatsoper von der Opernbühne mit einer ihrer Paraderollen: Als Königin Elisabetta in Gaetano Donizettis Tragödie «Roberto Devereux» in einer Inszenierung von Christof Loy. «Edita Gruberova ist die Primadonna assoluta, die Einzigartige, die große Diva», schwärmte Staatsintendant Nikolaus Bachler einmal. 20 Minuten Beifall für die Starsopranistin - nicht ungewöhnlich.

Dass sie mal auf der Bühne umjubelt werden würde, wurde Gruberova nicht in die Wiege gelegt. Geboren am 23. Dezember 1946 in Bratislava, heute Slowakei, wuchs sie in einfachen Verhältnissen auf. Der Vater trank, zur Mutter dagegen entwickelte sie ein enges Verhältnis. Ihre Flucht aus der oft harten Realität: das Singen, zuhause, im Schulchor und später im Kinderchor des Rundfunks. «Ich habe mich immer in den Gesang gerettet, auch meine Mutter hat gerne gesungen, von ihr habe ich die Stimme bekommen», sagte Gruberova in einem ihrer seltenen Interviews 2015 im Bayerischen Rundfunk (BR). In einer Biografie, die 2012 erschien, fand sie dafür poetische Worte: «Wir haben durch unser Singen unsere Seelen gelüftet.»

Auf Drängen eines Pfarrers bewarb sich die musikbegeisterte junge Frau am Konservatorium in Bratislava und studierte dort von 1961 bis 1968. Danach ging es steil nach oben. An der Wiener Staatsoper debütierte sie 1970 in Mozarts «Zauberflöte» als Königin der Nacht. 1974 sang sie in derselben Rolle erstmals an der Bayerischen Staatsoper. Ihr internationaler Durchbruch kam 1976 in der Rolle der Zerbinetta in «Ariadne auf Naxos» von Richard Strauss. Bald war sie eine gefragte Interpretin, sang in Mailand, New York, Madrid oder Paris. Eine hochbegabte Sängerin, für die Regisseure sogar selten gespielte Opern mit schwierigen Gesangsrollen ins Programm hoben.

Beinamen hat die Bayerische und Österreichische Kammersängerin im Laufe ihrer Bühnenkarriere viele errungen. «Königin der Koloratur» etwa oder «ewige Hohepriesterin des Belcanto», wie 2010 die «Wiener Zeitung» schrieb. Klar, dass sie bei all der Verehrung nicht einfach Edita Gruberova genannt wird, sondern «die Gruberova». So wie «die Callas» oder «die Caballé».

Mit dem Singen aufhören will die Sängerin, die im schweizerischen Zürich lebt, nach ihrem Opernabschied nicht. Sie werde noch Konzerte geben und junge Sänger als Mentorin begleiten, ließ sie über die Bayerische Staatsoper mitteilen. Dabei kann sie ihre Leidenschaft weitergeben. Schauspielerei habe sie auch mal interessiert, bekannte Gruberova in einem Interview. Aber in der Oper komme noch die Dimension der Musik hinzu. «Das ist das Allerhöchste, was uns der Himmel, was uns Gott geschenkt hat.»

Gruberovas Bühnenabschied

Interview BR-Klassik