Hamburg (dpa) - Mit dem Plädoyer des Verteidigers ist in Hamburg der Prozess gegen einen Zahnarzt wegen fehlerhafter Behandlungen fortgesetzt worden. Das Amtsgericht wollte noch heute das Urteil verkünden.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Zahnarzt vorsätzliche Körperverletzung in vier Fällen vor. Sie hat ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung gefordert. Zudem soll der 55-Jährige den drei Frauen und einem Mann, denen er zum Teil sämtliche Zähne abschliff oder zog, jeweils 9000 Euro Schmerzensgeld zahlen.

Der Zahnarzt habe sie vor der Behandlung nicht oder nur unzureichend über die riskanten Eingriffe aufgeklärt, sagte der Staatsanwalt. Damit habe er seine besondere Vertrauensstellung als Arzt missbraucht.

Die Patienten hätten gravierende Folgen und erhebliche Schmerzen erlitten. Die Behandlungen fanden zwischen März 2009 und November 2010 statt.

Einer heute 58-Jährigen soll der Arzt am Ersten Weihnachtsfeiertag 2009 neben mehreren kranken Zähnen auch zehn gesunde gezogen haben. Die Frau war erst am Heiligabend wegen akuter Schmerzen in die Praxis gekommen. Nach Ansicht des Staatsanwalts war dieser Eingriff medizinisch nicht notwendig. Der Zahnarzt soll für die achtstündige OP in Vollnarkose 18 000 Euro in bar kassiert haben.

Eine frühere Assistentin des Angeklagten hatte als Zeugin ausgesagt, die Patientinnen hätten die radikalen Behandlungen unbedingt gewollt, sich aber nicht an Auflagen wie ein Rauchverbot gehalten oder auch Termine zur Nachbehandlung nicht wahrgenommen. Der Staatsanwalt erklärte zu dieser Aussage, die Zahnarzthelferin habe selbst eine fragwürdige Rolle gespielt und lediglich ihr Tun und das ihres früheren Chefs in einem günstigen Licht darstellen wollen.