Köln (dpa) - Nein, das T-Wort umschifft Barack Obama so gut es geht. Es gehört zum guten Ton, dass sich ehemalige US-Präsidenten nicht über amtierende US-Präsidenten auslassen, schon gar nicht schlecht. Und deshalb fällt der Name Donald Trump an diesem Abend kein einziges Mal.

Lieber nippt der ehemals mächtigste Mann der Welt zur rechten Zeit an seinem Becher, wenn das Gespräch auf der Bühne der Lanxess-Arena in Köln abdriftet hin zur aktuellen Situation im Oval Office. Obama lächelt das Thema weg. Was insofern passt, als er genau genommen nicht gekommen ist, um über Politik zu sprechen. Sondern über gute Menschenführung. Große Mühen hat er da nicht, Trump zu ignorieren.

«World Leadership Summit» heißt die Veranstaltung am Donnerstagabend, die seit Tagen großflächig damit geworben hat, einen ganz dicken Fisch an den Rhein gelockt zu haben: Barack Obama, der in Deutschland immer noch herausragende Beliebtheitswerte besitzt. Am Ende sind mehr als 14.000 Menschen in einer Halle, in der sonst Popbands auftreten und Kölner Karneval gefeiert wird.

Die Stimmung ist bisweilen ähnlich. «Habt ihr Bock?!» ruft Stefan Frädrich, einer der Chefs des Veranstalters «Gedankentanken», ins Publikum, bevor es los geht. Kurz darauf stimmt er «Viva Colonia» an. Obama wird angekündigt wie ein Box-Star, ein «Weltstar». Dann endlich: das Interview. Obama hält keine Rede, er wird von einem Moderator befragt.

Nach einigen Abstechern ins Private - Obama verrät etwa, dass er nach Ende seiner Amtszeit nicht gewusst habe, wie man eine Kaffeemaschine bedient - wird es dann doch politisch. Vor allem über die Klimapolitik spricht er ausgiebig - und muss dann zwangsläufig auch die aktuelle US-Politik kommentieren. Er sei «zuversichtlich und vorsichtig optimistisch», dass die USA im Klimaschutz bald wieder führend sein werden, sagt Obama. Natürlich seien viele frustriert aufgrund der Haltung der derzeitigen US-Regierung, aber man dürfe nicht vergessen, dass etwa der Staat Kalifornien alle Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umsetze. Im Übrigen setze er auf die Jugend.

Er sage jungen Leute immer: «Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr euch anhört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben werdet?» In Obamas Amtszeit war 2015 das Pariser Klimaabkommen ausgehandelt worden. Sein republikanischer Nachfolger Trump hat dagegen den Austritt der USA aus dem Abkommen eingeleitet.

Auch über «alternative Fakten» verliert Obama klare Worte: «Eine Demokratie definiert sich darüber, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt, aber sie kann nicht funktionieren, wenn grundlegende Fakten infrage gestellt werden.» Er zeigt auf den vor ihm stehenden Tisch mit seinem Pappbecher: Man könne lange darüber diskutieren, ob der zu hoch oder zu niedrig sei. Aber «wenn Sie zu mir sagen: Nein, das ist ein Baum, dann weiß ich nicht, was ich sagen soll.»

Formal ist der ehemalige US-Präsident nur ein Redner unter vielen, unter anderem spricht auch Start-Up-Investor Frank Thelen («Die Höhle der Löwen»). Aber natürlich weiß auch der Veranstalter, warum die Leute gekommen sind. «Während des Interviews mit Barack Obama KEINE Fotos oder Videos!» steht auf Zetteln an den Eingängen. Es bleibt ein frommer Wunsch. Als Obama nach einer Stunde lächelnd und winkend von der Bühne geht, gibt es tosenden Applaus. Und eine Frau seufzt: «Ich könnte dem endlos zuhören...»

Am Freitag will Obama weiter nach Berlin reisen, um sich dort mit «seiner Freundin» Angela Merkel zu treffen, wie er sie nennt. Am Samstag (6. April) will er sich dort zudem bei einem Town-Hall-Meeting den Fragen junger Menschen stellen. Auch für die dürfte er ein paar Botschaften dabei haben.