Köln (dpa) - Der ehemalige US-Präsident Barack Obama ist «zuversichtlich und vorsichtig optimistisch», dass die USA im Klimaschutz bald wieder führend sein werden.

Natürlich seien viele frustriert aufgrund der Haltung der derzeitigen US-Regierung, aber man dürfe nicht vergessen, dass etwa der Staat Kalifornien alle Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umsetze. Im Übrigen setze er auf die Jugend, sagte Obama am Donnerstagabend bei einem Auftritt vor 14.000 Zuhörern in der Kölner Lanxess-Arena.

Wenn alle jungen Leute zur Wahl gingen und dabei für klimafreundliche Parteien stimmten, könnten sie sehr schnell Veränderung zustande bringen. Er sage jungen Leute immer: «Ihr würdet euren Großvater niemals darüber entscheiden lassen, was ihr anzieht oder welche Musik ihr euch anhört. Aber ihr lasst ihn darüber entscheiden, was mit der Umwelt geschieht, in der ihr leben werdet?«

In Obamas Amtszeit war 2015 das Pariser Klimaabkommen ausgehandelt worden. Sein republikanischer Nachfolger Donald Trump hat dagegen den Austritt der USA aus dem Abkommen eingeleitet.

Obama hob hervor, dass Entscheidungen und Diskussionen auf der Grundlage von Fakten stattfinden müssten. «Ich bin ein großer Anhänger aufklärerischer Werte wie Fakten, Vernunft, Logik», sagte Obama. Eine der größten Gefahren für die Demokratie sei, wenn kein Konsens mehr über grundlegende Fakten existiere.

«Eine Demokratie definiert sich darüber, dass sie unterschiedliche Meinungen zulässt, aber sie kann nicht funktionieren, wenn grundlegende Fakten infrage gestellt werden», sagte Obama. Man könne zum Beispiel lange darüber diskutieren, ob der vor ihm stehende Tisch zu hoch oder zu niedrig sei. Aber «wenn Sie zu mir sagen: Nein, das ist ein Baum, dann weiß ich nicht, was ich sagen soll.»

Obama verglich das Amt des US-Präsidenten mit dem eines Kapitäns auf einem sehr großen Schiff. Man müsse dort schnell Geduld lernen, sagte er am Donnerstagabend bei einem Auftritt in der Lanxess-Arena in Köln. «Man kann es nicht drehen, und plötzlich geht es in die entgegengesetzte Richtung», erläuterte er. Es gebe da ein «großes Lenkrad», und es seien viele Leute an Bord. Hoffentlich habe man am Ende einer Amtszeit eine bessere Richtung eingeschlagen.

Nach seinem Ausscheiden aus dem Präsidentenamt 2017 habe er sich nach eigenen Worten erst einmal ausgeruht, so Obama. «Michelle und ich haben erstmal sehr lange geschlafen», sagte der 57-Jährige.

Er habe danach auch bestimmte Dinge erstmal wieder lernen müssen. «Ich musste mir selbst Kaffee machen. Ich wusste gar nicht, wie die Maschine funktioniert.» Sein erster selbst gemachter Kaffee habe denn auch sehr schlecht geschmeckt. Außerdem habe er sich im neuen Heim der Familie in Washington etwas Platz erobern müssen, weil sich die anderen Familienmitglieder überall ausgebreitet hätten.

Am Freitag will der Ex-Präsident nach Berlin weiterreisen - unter anderem, um sich dort mit «seiner Freundin» Angela Merkel zu treffen, wie er sagte.