Paris (dpa) - Es will einfach nicht klappen. Auch im dritten Anlauf hat es Paris Saint-Germain mit seinem Trainer Thomas Tuchel verpasst, sich vorzeitig den achten französischen Meistertitel zu sichern.

Mit dem 2:3 (1:2) im Nachholspiel beim bisherigen Tabellen-15. FC Nantes schlittern die Hauptstädter in eine Mini-Krise. «Wir haben sehr schlecht gespielt. Wir können glücklich sein, nicht 1:4 verloren zu haben. Die Niederlage war verdient», schimpfte der frühere Bundesliga-Coach Tuchel. Der 45-Jährige musste sich wegen einer Sperre das Elend von der Tribüne aus ansehen.

Zum dritten Mal in Serie blieb PSG ohne Sieg - ein ungewohntes Gefühl für den Elite-Club, der sich über drei Viertel der Saison keine Blöße gegeben hatte. Entsprechend groß ist die Verwunderung bei Fans und in den französischen Medien über die «unvorstellbare Wendung» des Pariser Saisonendspurts: «Caramba, schon wieder verloren», schreibt die französische Zeitung «Le Parisien».

Beim Titelverteidiger habe es sich in weiten Teilen nur um einen «Haufen ängstlicher Spieler» gehandelt. Das Team sei orientierungslos. Tuchels Mannschaft habe seinen «Vertrauenvorschuss» verspielt, schreibt die Sportzeitung «L'Équipe». PSG schien im Spiel gegen Nantes am Mittwochabend auf allen Ebenen verloren, hieß es.

Tuchels erster Meistertitel in der Ligue 1 ist aber wohl nur noch eine Frage der Zeit. Am Ostersonntag kann sich Paris im Duell gegen den AS Monaco für die Meisterfeier rüsten. Vielleicht benötigt der Titelverteidiger dazu aber gar keine Zähler, falls das zweitplatzierte Team vom OSC Lille zuvor in Toulouse Punkte lässt und PSG somit vorzeitig zum Meister machen würde.

Im Januar flog die Mannschaft im Ligapokal-Viertelfinale gegen den Erstliga-Abstiegskandidaten EA Guingamp raus. Wenig später folgte dann auch das Aus im Achtelfinale der Champions-League gegen Manchester United - und nun stolpert das teuer zusammengekaufte Star-Ensemble mit den deutschen Nationalspielern Julian Draxler und Thilo Kehrer also auch in der Meisterschaft. Tuchels Mannschaft führt sechs Spieltage vor Saisonende aber immer noch mit 17 Punkten die Tabelle an.

Allerdings war PSG nur mit einer Rumpftruppe und zahlreichen Nachwuchs-Kräften gegen Nantes aufgelaufen. Seit Wochen plagt die Pariser die Personalnot. Neun verletzte Stammspieler fehlten - darunter Neymar, Angel Di Maria und Edinson Cavani. Auch Star-Stürmer Kylian Mbappé fehlte. Ob aus disziplinarischen Gründen oder um ihn für das nächste Ligaspiel zu schonen, blieb offen. Tuchel wollte keine Auskunft geben: «Es ist meine Entscheidung, es ist mein Management. Keine Erklärung!»

Ein Traumtor von Dani Alves aus 28 Metern hatte PSG in Nantes in Führung gebracht, doch zwei Treffer von Diego Carlos und das Tor von Waris brachten Paris auf die Verliererstraße. Unter den PSG-Fans wurde in sozialen Netzwerken der deutsche Nationalspieler Thilo Kehrer als Verantwortlicher der Niederlage ausgemacht. Vor dem 1:2 durch Majeed Waris hatte er an der Torauslinie den Ball gegen Kalifa Coulibaly vertändelt.

Doch nicht ein einzelner Spieler war Ziel der Kritik von Tuchel. «Heute gab es 90 Minuten lang keine Leistung. Wir können verlieren, wir können Fehler machen, und ich werde die Spieler immer verteidigen, wenn wir das Gefühl haben, dass sie mit einer großen Mentalität spielen. Heute ist das nicht möglich», resümierte Tuchel.

Schon nach der 1:5-Klatsche in Lille am vergangenen Sonntag hatte der der frühere Mainzer und Dortmunder Coach seinem Ärger über seinen quantitativ zu dünnen Kader Luft gemacht. Dennoch mahnte er angesichts der Mini-Krise seine Mannschaft zur Ruhe. «Es ist eine große Herausforderung. Wir werden ruhig bleiben.»

Ligue 1

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Bericht "Le Parisien"

Bericht "L'Équipe"