Baku (dpa) - Im Kampf um die Vorherrschaft bei Ferrari wird es für Sebastian Vettel nun richtig eng.

«Die Regel ist einfach: Verliere im Rennen niemals den Fokus, sonst fährst du beim ersten Fehler in eine Mauer», sagte Vettels aufstrebender Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc vor dem nächsten Showdown in Baku. Vollmundig pries der Monegasse seine Leistungen und Ergebnisse auf dem unfallgefährdeten Kurs beim Großen Preis von Aserbaidschan, einer seiner «absoluten Lieblingsstrecken», an: «Ich bin dort immer sehr gut gefahren.»

Ganz anders als Vettel. Der Heppenheimer braucht aber nicht nur im Duell mit seinem zuletzt nur höchst widerwillig eingebremsten neuen Stallrivalen, sondern vor allem im WM-Rennen mit Titelverteidiger Lewis Hamilton dringend den ersten Saisonsieg. Doch den will auch Supertalent Leclerc. «Ich kann es gar nicht abwarten», sagte er vor dem vierten Formel-1-Saisonrennen am Sonntag (14.10 Uhr/RTL und Sky).

Die Situation bei der Scuderia ist dabei explosiv. Der 21 Jahre alte Leclerc hat eindringlich vermittelt, dass er gegen Vettel auch weiterhin nicht freiwillig zurückstecken wird. Der Monegasse ließ in einer Pressemitteilung keine Zweifel an seiner Angriffslust und protzte mit seinen Erfolgen am Kaspischen Meer: ein Sieg und ein Podestplatz in der Formel 2, dazu 2018 seine ersten Karrierepunkte in der Formel 1.

Vettels Erinnerungen sind wesentlich negativer. Im Vorjahr gab es nach einem heftiger Verbremser statt des möglichen Sieges nur Platz vier, 2017 sorgte sein Ausraster mit einem Rammstoß gegen Hamilton für negative Schlagzeilen. Vettel konnte seit dem ersten Grand Prix 2016 noch nicht in Baku gewinnen, gleiches gilt für seinen Rennstall. Um in der WM-Wertung nicht noch weiter den Anschluss an Hamilton (68 Punkte) im Mercedes zu verlieren, ist der Viertplatzierte Vettel (37) gefordert - und bekommt weiter viel Druck von Leclerc (36).

In Shanghai hatte der Ferrari-Neuling den viermaligen Weltmeister zuletzt nach einer Stallorder vorbeiziehen lassen müssen, doch auch dieses umstrittene Manöver brachte dem Hessen nur Rang drei. Mercedes gewann alle bisherigen Rennen und sicherte sich auch immer noch Platz zwei. Der Stadtkurs in Baku sollte den starken Ferrari-Motoren gerade wegen der mehr als zwei Kilometer langen Start-Ziel-Gerade liegen, der enge Teil der Strecke durch die Altstadt könnte eher einen Vorteil für die bei der Aerodynamik überlegenen Mercedes bedeuten.

Vettel und Leclerc bekommen dafür ein technisch überholtes Auto. «Wir bringen ein paar Updates mit nach Baku. Das ist der erste Schritt in der Weiterentwicklung des SF90», sagte Teamchef Mattia Binotto. «Nachdem die ersten drei Rennen definitiv nicht so gelaufen sind, wie wir wollten, ist dieser Grand Prix ein weiterer wichtiger Moment für uns.» Die Scuderia sei «sehr gut vorbereitet» und hätte nach einer umfassenden Datenanalyse Bereiche gefunden, «in denen wir uns verbessern können». Dazu gehört unter anderem das Motoren-Management.

In der Hauptstadt Aserbaidschans geht es jedoch auch um die Nerven der Fahrer. Im Vorjahr räumte Daniel Ricciardo seinen damaligen Teamkollegen Max Verstappen unsanft ab und bescherte beiden Red Bull das vorzeitige Rennende. Fahrfehler werden gerade in der Altstadt nicht verziehen. «Der Anstieg vorbei an den Stadtmauern ist nur sieben Meter breit, das fühlt sich in einem Formel-1-Auto sehr eng an - als würde man eine Nadel einfädeln», sagte Vettel: «Es gibt nicht genug Platz für zwei Autos, also muss man sich einigen.»

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