Bogotá (dpa) - Bundesaußenminister Heiko Maas hat Kolumbien weitere Unterstützung für den seit 2016 laufenden Friedensprozess nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg zugesagt.

Bei seinem Besuch in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá kündigte er am Dienstagabend (Ortszeit) an, die Mittel für die Reintegration ehemaliger Rebellen in die Gesellschaft um zwei Millionen auf 17,3 Millionen Euro aufzustocken. Hinzu kommen weitere fünf Millionen Euro Entwicklungshilfe. Deutschland stehe in diesem Prozess «ganz eng an der Seite Kolumbiens», sagte Maas nach einem Treffen mit seinem Kollegen Carlos Holmes Trujillo und Präsident Iván Duque.

Ende 2016 hatte die kolumbianische Regierung mit der Rebellenorganisation Farc den Bürgerkrieg mit rund 220 000 Toten und Millionen Vertriebenen beendet. Nach wie vor ist aber die marxistisch-leninistische Nationale Befreiungsarmee (ELN) aktiv, die mit ihren rund 1500 Kämpfern vor allem im Osten Kolumbiens Anschläge verübt und Geiseln nimmt. Nach einem schweren Bombenanschlag mit 21 Toten auf eine Polizeiakademie in Bogotá hat die Regierung die Friedensgespräche mit der Guerillaorganisation vorerst gestoppt.

Maas ermutigte die Regierung dennoch, den bisherigen Weg weiterzugehen - «auch wenn es Rückschläge geben wird». Der Außenminister stellte auch neue Hilfsmittel für die Versorgung von Flüchtlingen aus dem Nachbarland Venezuela in Aussicht. 1,5 Millionen Venezolaner hat Kolumbien bereits aufgenommen. Trujillo sagte, er rechne mit 1,8 Millionen weiteren, wenn die Krise anhalte. Deutschland hat bereits mehr als zehn Millionen Euro an humanitärer Hilfe zur Verfügung gestellt.

Maas besucht am Mittwoch ein Projekt zur Reintegration ehemaliger Farc-Rebellen, das 120 Kilometer von Bogotá entfernt ist. Vorher will er sich aber in der Hauptstadt mit Vertretern der venezolanischen Opposition treffen. Der Machtkampf zwischen Präsident Nicolás Maduro und dem selbsternannten Übergangsstaatschef Juan Guaidó ist am Dienstag eskaliert. Bei Straßenkämpfen in Caracas wurden mindestens 69 Menschen Verletzte.

Deutschland hat Guaidó als rechtmäßigen Interimspräsidenten anerkannt - so wie die USA, andere EU-Staaten und viele lateinamerikanische Länder. Maas bekräftigte diese Position während seiner Lateinamerika-Reise mehrfach.

Kritiker werfen der Bundesregierung aber vor, sich durch die klare Positionierung als neutraler Vermittler in dem Machtkampf unmöglich gemacht zu haben. Auch völkerrechtlich ist das Vorgehen umstritten. So sah der wissenschaftliche Dienst des Bundestags «starke Gründe für die Annahme», dass die Anerkennung Guaidós eine Einmischung in innere Angelegenheiten sei.

Auswärtiges Amt zu Kolumbien