Mexiko-Stadt (dpa) - Ein Foto von der Grenze zwischen Mexiko und den USA löst weltweit Bestürzung aus: Es zeigt nach Medienangaben die Leichen eines jungen Mannes und eines kleinen Kindes, die mit dem Gesicht nach unten im Wasser liegen.

Wie die mexikanische Zeitung «La Jornada» und die Nachrichtenagentur AP berichteten, handelt es sich um einen jungen Mann aus El Salvador und seine knapp zweijährige Tochter. Sie seien bei dem Versuch ertrunken, den Rio Grande zu überqueren. «La Jornada» veröffentlichte die Fotos zuerst.

Der mexikanischen Zeitung zufolge hatten sich der Mann und seine Frau am Sonntag entschlossen, mit der Tochter am Grenzort Matamoros den Fluss zu überqueren, um von Mexiko aus nach Texas zu gelangen.

Zunächst habe der Vater das kleine Mädchen auf der anderen Seite am Ufer abgesetzt. Dann sei er zur mexikanischen Seite zurückgekehrt, um seine Frau zu holen. In dem Moment sei die Tochter ins Wasser gesprungen. Der Vater habe sie noch greifen können, beide seien dann aber von der Strömung mitgerissen worden, zitierte die Zeitung die Frau. Nach einer stundenlangen Suche hätten Rettungskräfte die Leichen dann am Montag rund 500 Meter entfernt entdeckt.

Die Regierung El Salvadors hat schnelle Hilfe für die Familie eines jungen Mannes zugesagt. Staatschef Nayib Bukele habe angeordnet, die Leichen so schnell wie möglich in das mittelamerikanische Land zu überführen, teilte das Präsidialamt (Ortszeit) mit. Auch solle die Familie finanziell unterstützt werden.

«Eines Tages werden wir ein Land errichtet haben, wo solche Dinge nicht passieren und in dem Migration eine Option und nicht eine Notwendigkeit ist», wurde Präsident Bukele zitiert.

Gerade aus El Salvador und anderen mittelamerikanischen Ländern wie Honduras und Guatemala versuchen jedes Jahr Tausende Menschen, auf der Flucht vor Armut und Gewalt über Mexiko die USA zu erreichen.

Das Bild erinnert in seiner Wirkung an das Foto eines dreijährigen syrischen Flüchtlingsjungen, dessen Leiche im Spätsommer 2015 an einem Strand in der Türkei gefunden worden war.

Vorsicht, sensibler Inhalt: Hier sehen Sie die Fotos der Ertrunkenen.

An der Grenze zwischen den USA und Mexiko werden immer mehr Migranten aus Lateinamerika auf dem Weg nach Norden aufgegriffen. Zahlen und Fakten:

GRENZÜBERTRITTE: Die Zahl der Migranten aus Richtung Mexiko hat jüngst deutlich zugenommen. In den acht Monaten zwischen Oktober 2018 und Mai 2019 wurden nach Angaben der US-Grenzschutzpolizei CBP mehr als 676 000 Menschen aufgegriffen. Das sind etwa doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Zuletzt registrierte CBP monatlich mehr als 100 000 Grenzübertritte.

GRENZTOTE: Auf der Fluchtroute über die Grenze zwischen den USA und Mexiko sind nach Schätzungen der UN-Organisation für Migration (IOM) in der ersten Jahreshälfte 2019 mindestens 170 Menschen ums Leben gekommen. Einige von ihnen gelten als vermisst (Stand: 26. Juni). Im gesamten Jahr 2018 gab es IOM zufolge dort 439 Tote.

GRENZSTREIT: Die Grenze zwischen den USA und Mexiko ist etwa 3200 Kilometer lang. US-Präsident Donald Trump will an der Hälfte der Strecke eine Mauer errichten lassen. Der Rest ist nach seinen Worten durch natürliche Barrieren wie Flüsse geschützt. Mehrere Organisationen und US-Bundesstaaten gehen juristisch gegen die umstrittenen Pläne vor. Auch über die Finanzierung des Projekts gibt es Streit. Aktuell stehen nach Angaben der US-Grenzschutzbehörde etwa 1050 Kilometer befestigte Grenzanlagen.