Hamburg (dpa) – Den klaren Auftakterfolg des ersten deutschen Teams im Hamburger Sand hakte Sandra Ittlinger sofort als «Pflichtsieg» ab: «2:0, in Ordnung.»

Für die 25 Jahre alte Blockspielerin geht es mit Chantal Laboureur (29) wie für die meisten Beachvolleyball-Frauen der Gastgeber bei der WM um mehrere Dinge: Nach dem Wechselkarussell zum Jahresbeginn wollen und müssen alle schnell Fortschritte nachweisen und zugleich gute Ergebnisse abliefern. Denn längst ist der Kampf um die begehrten Olympia-Plätze für 2020 in vollem Gang. «Das ist noch eine Kategorie höher», sagte Volleyball-Verbandspräsident René Hecht zum Ziel Tokio: «Da wollen wir wie auch in der Halle hin.»

Die Beach-Weltmeisterschaft ein Jahr zuvor ist dafür bereits ein Knackpunkt, auch wenn die Qualifikation bis wenige Wochen vor dem Olympia-Start läuft. Denn das WM-Resultat von Hamburg geht mit einer höheren Punktzahl als ein normales Welttour-Turnier in die erforderlichen zwölf Ergebnisse ein, mit denen sich die Teams einen von 15 Startplätzen über die Weltrangliste sichern können. Zudem bringt ein gutes WM-Abschneiden deutliche Pluspunkte im nationalen Wettbewerb um maximal je zwei Tokio-Tickets für Frauen und Männer.

«Die Konkurrenz ist natürlich brutal», betonte Jürgen Wagner, der Trainer von Olympiasiegerin und WM-Titelverteidigerin Laura Ludwig und deren neuer Partnerin Margareta Kozuch. «Es ist ein Spagat. Wir müssen einzelne Elemente entwickeln, um die Qualität hinzubekommen, uns damit qualifizieren zu können», ergänzte der Erfolgscoach zum Neuaufbau nach dem verletzungsbedingten Rücktritt der langjährigen Ludwig-Partnerin Kira Walkenhorst. Um das Duo in Rio de Janeiro 2016 zum Olympiasieg zu führen, hatte Wagner dreieinhalb Jahre Zeit. Vor Tokio sind es für Ludwig/Kozuch nur noch 13 Monate.

Während bei den Männern die Aufsteiger Julius Thole und Clemens Wickler, die am Sonntag gegen ein unbekanntes Außenseiterteam aus Ruanda in ihre Heim-WM starten, seit Monaten näher an die Weltspitze heranrücken, blieb bei den Damen dieser Effekt aus. «Die deutschen Teams haben sich alle nicht mit Ruhm bekleckert. Sie haben alle mehr oder wenig mentale Probleme», hat Trainer Wagner (63) erkannt. Die fehlende Zeit für Verfeinerungen sieht er als größtes Problem.

Karla Borger (30) und Julia Sude (31), ein weiteres der neu zusammengestellten Nationalteams, wollen die WM-Aufgabe dennoch genauso angehen «wie jedes andere Turnier», sagte Blockspezialistin Sude: «Wir müssen in dem Konkurrenzkampf unsere Leistung abrufen, was im Moment sehr gut funktioniert.» Im aktuellen Olympia-Ranking ist das Schwaben-Duo am besten von allen deutschen Damen-Duos platziert. «Die Chancen sind weiterhin offen, bisher hat sich kein Team so richtig abgesetzt», bemerkte dagegen Kontrahentin Laboureur, die vor dem großen Partnertausch pikanterweise mit Sude gespielt hatte.

Ein besonders Olympia-Bonbon hält die WM noch bereit. Die Sieger bei Damen und Herren haben schon einen Tokio-Startplatz sicher. Allerdings geht der an den jeweiligen Nationalverband, nicht direkt an das Team, erinnerte Borger: «So ist es lange nicht gesagt, dass man als Weltmeister auch zu Olympia fährt.» Topniveau müsste auch der WM-Champion in den kommenden Monaten weiter nachweisen. «Das ist ein richtiger Batzen. Wir denken seit unserem ersten gemeinsamen Turnier schon an Olympia», betonte die erfahrene Sude.

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