Bologna (dpa) - Nach dem Kraftakt im EM-Halbfinale waren Deutschlands Nachwuchs-Fußballer einfach nur froh über eine kleine Erholungspause.

«Jetzt müssen wir schauen, dass wir gut regenerieren», sagte U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz nach dem kräftezehrenden 4:2 (1:2) gegen Rumänien und dem zweiten Einzug ins EM-Endspiel in Serie. Zwei Jahre nach dem EM-Triumph ist am Sonntag erneut Spanien der Gegner. Dann will die U21 ihren dritten Titel feiern. «Für solche Spiele, für solche Momente lebt man», sagte Matchwinner Nadiem Amiri.

Der Weg ins Endspiel war für die deutsche U21 aber alles andere als leicht: Temperaturen um die 40 Grad, ein bissiger und gut eingestellter Gegner und eine hitzige Atmosphäre mit zahlreichen rumänischen Fans machten dem Team vor allem in der ersten Halbzeit das Leben schwer. «Wir haben gedacht, es geht vielleicht doch mit ein paar Prozent weniger», urteilte Kuntz. Doppeltorschütze Amiri sagte: «Es war einfach zu heiß. Rumänien ist von den Fans gepusht worden.»

Der Hoffenheimer hatte die DFB-Auswahl zunächst in Führung gebracht 21. Minute), ehe Rumänien mit zwei Toren durch George Puscas das Spiel drehte (27./Foulelfmeter/44.). Luca Waldschmidt besorgte mit einem Elfmeter den Ausgleich (51.), zwei späte Freistoßtore von Waldschmidt (90.) und Amiri (90.+4) sorgten dann für die späte Entscheidung. Das Wichtigste zum deutschen Finaleinzug:

KABINENANSPRACHE: Zu langsam, nicht konsequent genug, wenig spritzig: Die deutsche Mannschaft war den bissigen und aggressiven Rumänen in der ersten Halbzeit unterlegen und lag verdient zurück. «Es war eine sehr, sehr emotionale Ansprache vom Trainer», sagte Amiri über Kuntz' Auftritt in der Pause, aus der die Mannschaft wie verwandelt kam. Der Coach selbst berichtete: «Wir haben darüber gesprochen, ob wir uns als Mannschaft so von diesem Turnier verabschieden möchten.»

MATCHWINNER: Nach seiner Sprunggelenkverletzung wurde Amiri gerade rechtzeitig zur EM fit, kam in den drei Gruppenspielen jeweils als Joker zum Einsatz. Gegen Rumänien stand er dann erstmals in der Startelf und wurde direkt zum entscheidenden Mann. «Unser Plan war ja auch, dass wir mich fit kriegen in der Gruppe fürs Halbfinale und das hat gut geklappt», berichtete der 22-Jährige grinsend.

REKORDMANN: Luca Waldschmidt trifft und trifft und trifft. Mit sieben Toren ist der Freiburger auf dem besten Weg zum EM-Torschützenkönig. Er hat schon jetzt genauso viele Tore auf dem Konto wie der bisherige EM-Rekordhalter Marcus Berg 2009 erzielt hatte. «Er hat natürlich eine gute Leistung gezeigt», lobte Kuntz seinen Stürmer. «Er ist sehr spielintelligent, geht in die Räume, die wir besetzen wollen.»

DEJA-VU: Vor zwei Jahren gewann der deutsche Nachwuchs mit einem 1:0-Finalsieg gegen Spanien seinen zweiten U21-Titel. Dieses Jahr soll sich der Coup wiederholen. Es wäre das erste Mal, dass einer deutschen U21 die Titelverteidigung gelingt. Und der Gegner im Finale am Sonntag (20.45 Uhr/ARD) in Udine heißt erneut Spanien. «Die ganze Mannschaft ist heute einfach happy», sagte Levin Öztunali. «Aber es wird auf jeden Fall noch ein sehr, sehr schwieriges Finale.»