Wien (dpa) - Das Ölkartell Opec und die mit ihm kooperierenden Staaten wie Russland werden aller Voraussicht nach auch weiterhin ihre Produktion beschränken.

Die 14 Opec-Staaten einigten sich bei ihren Beratungen am Montag in Wien auf eine Verlängerung der bestehenden Förderlimits um neun Monate, wie der venezolanische Ölminister Manuel Salvador Quevedo Fernandez am Montagabend nach langen Beratungen in Wien mitteilte.

Die Opec will nun die zehn kooperierenden Staaten wie etwa Russland davon überzeugen, dieser Strategie zu folgen. Eine Einigung in der sogenannten "Opec+"-Runde, die an diesem Dienstag tagt, gilt als sicher. Die wichtigsten Staaten der Runde, Saudi-Arabien und Russland, hatten bereits am Wochenende beim G20-Gipfel im japanischen Osaka eine entsprechende Übereinkunft getroffen.

Die Verbraucher müssen sich daher auf steigende Preise beim Heizöl- und Benzin-Kauf einstellen. "Dieses Vorgehen der Opec ist ein klares Signal, um den Preis nach oben zu bringen", sagte Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Analysten der Commerzbank schrieben, dass sich nun für zweite Halbjahr 2019 ein unterversorgter Markt abzeichne. "Dies dürfte den Ölpreisen Auftrieb geben, so dass wir am Jahresende einen Brentölpreis von 70 US-Dollar je Barrel erwarten." Ein Barrel entspricht 159 Litern. Am Montag legten die Ölpreis zunächst kräftig zu, fielen dann aber wieder. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Montagabend 65,19 US-Dollar nach zwischenzeitlich 66,51 Dollar am Vormittag.

Im Dezember hatten sich die "Opec+"-Staaten nach langen Verhandlungen darauf verständigt, 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) Öl pro Tag weniger als im Oktober 2018 aus dem Boden zu pumpen. Dabei entfallen 800.000 Barrel auf die Opec-Staaten, die restlichen 400.000 Barrel auf die zehn anderen kooperierenden Länder. Die Kürzung wurde in den vergangenen Monaten nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris übererfüllt. Die Opec-Staaten Iran, Venezuela und Libyen sind von dem Deal ausgenommen.

Dass sich die Opec nun auf eine Verlängerung um gleich neun Monate einigen konnte, wertet Analyst de la Rubia als deutliches Zeichen der Einigkeit. "Die Opec ist offensichtlich sehr bestrebt, Einigkeit und Handlungsfähigkeit zu zeigen", sagte er. "Das signalisiert dem Markt: Wir stehen auch weiterhin diszipliniert zur Sache und sind nicht ängstlich, dass wir das nur sechs Monate durchhalten können." Er sei aber dennoch skeptisch, ob sich letztlich alle Länder an ihre Zusagen halten werden.

Die Einigkeit betonte der saudische Energieminister Khalid Al-Falih nach den Beratungen mehrfach und sprach von Enthusiasmus unter den Opec-Mitgliedern. Die Runde habe eine Kooperations-Vereinbarung erarbeitet, mit der die Zusammenarbeit mit den Nicht-Opec-Ländern weiter gefestigt werden soll. Zudem wurde Opec-Generalsekretär Mohammad Barkindo für weitere drei Jahre im Amt bestätigt.

Vor allem für Saudi-Arabien ist es wichtig, dass der Ölpreis weiter steigt. Laut einer Berechnung des Internationalen Währungsfonds benötigt Saudi-Arabien einen Ölpreis von etwa 85 US-Dollar pro Barrel für einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Riad hat zuletzt seine Ölförderung deutlich stärker gekürzt, als es mit Blick auf die Absprachen nötig gewesen wäre.

Die 14 Opec-Staaten pumpen gemeinsam rund ein Drittel des gesamten Ölangebots aus dem Boden, die 24 "Opec+"-Staaten gemeinsam fast die Hälfte. Insgesamt liegt das Ölangebot bei rund 99 Millionen Barrel Öl pro Tag, während die Nachfrage laut der IEA für 2019 im Schnitt bei 100,4 Millionen Barrel pro Tag liegt.

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