Stockholm/Washington (dpa) - Der Fall des in Schweden angeklagten US-Rappers Asap Rocky entwickelt sich zu einem diplomatischen Schlagabtausch zwischen Washington und Stockholm. US-Präsident Donald Trump kritisierte via Twitter die schwedische Regierung, die seiner Ansicht nach nichts für seinen Landsmann getan habe. Er sei «sehr enttäuscht» von Regierungschef Stefan Löfven wegen dessen Handlungsunfähigkeit, schrieb Trump am Donnerstagabend.

In Stockholm reagierte man mit dem nüchternen Hinweis auf die Unabhängigkeit der Justiz. Weder Regierung noch Parlament dürften sich in Schweden in die Arbeit von Gerichten und Staatsanwaltschaften einmischen, erklärte Löfven. «In Schweden sind alle vor dem Gesetz gleich, und keiner steht über ihm.» Dies habe man auch dem Weißen Haus klargemacht.

Löfven hatte dem US-Präsidenten bereits in einem Telefonat vor knapp einer Woche die Unabhängigkeit der schwedischen Justiz erklärt. Verfangen hat diese Botschaft bei Trump aber offenbar nicht: «Schweden hat unsere afroamerikanische Gemeinschaft in den Vereinigten Staaten im Stich gelassen», wütete er auf Twitter. Er habe Aufnahmen gesehen, die zeigten, dass Rocky von «Unruhestiftern» verfolgt und bedrängt worden sei. «Behandelt Amerikaner fair!», forderte der US-Präsident und setzte noch den Hashtag #FreeRocky hinzu. Der Rapper müsse seine Freiheit zurückerlangen.

Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte am Donnerstag Anklage wegen Körperverletzung gegen Asap Rocky sowie zwei seiner Begleiter erhoben. Der 30 Jahre alte Musiker war nach einem Auftritt auf dem Stockholmer «Smash»-Festival festgenommen worden, weil er einige Tage zuvor auf offener Straße einen Mann zusammengeschlagen haben soll. Die Schlägerei wurde in einem Video festgehalten, das den Musiker belastet.

Darin ist zu sehen, wie Rocky einen jungen Mann heftig zu Boden wirft und zusammen mit seinen Begleitern auf ihn einprügelt. Der Musiker selbst gab an, von zwei Männern verfolgt worden zu sein und sich lediglich selbst verteidigt zu haben. «Er betrachtet sich als unschuldig», sagte sein Anwalt Slobodan Jovicic am Donnerstag. Die Gerichtsverhandlung beginnt bereits am kommenden Dienstag.

Trumps Verhältnis zu Schweden ist von Beginn seiner Präsidentschaft an ein seltsames gewesen. Schon einen Monat nach Amtsantritt verwies er im Februar 2017 auf einer Kundgebung in Florida auf das skandinavische Land. «Schaut Euch an, was gestern Abend in Schweden passiert ist!», rief er seinen Anhängern damals in Zusammenhang mit Terrorangriffen und der aus seiner Sicht missratenen schwedischen Einwanderungspolitik zu.

Die Schweden waren damals überrascht - es hatte gar keinen Angriff bei ihnen gegeben. Sie zogen das Ganze dann einfach ins Lächerliche: Unter dem Hashtag #LastNightInSweden berichteten sie in den sozialen Netzwerken davon, was in Schweden am Vorabend passiert sei, etwa dass ein Ikea-Schrank falsch aufgebaut oder ein Bier getrunken worden sei. Ex-Außenminister Carl Bildt fragte öffentlich: «Schweden? Terrorangriff? Was hat er geraucht?»

Auch diesmal fand Bildt klare Worte für Trump. Das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit gelte für jeden und liege einer unabhängigen Justiz eben zugrunde, twitterte Bildt am Freitag. «So ist es in den USA, und so ist es gewiss in Schweden. Politische Einmischung in den Prozess ist eindeutig verboten! Klar?» In einem weiteren Tweet legte er nach: «Wenn Donald Trump versucht, in seinem eigenen Land die Justiz zu behindern, dann wird er mit den Grundsätzen der US-Verfassung in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.»

Der Fall des Rappers hat in den vergangenen Wochen international immense Wellen geschlagen. Stars wie Reality-TV-Persönlichkeit Kim Kardashian und Popsänger Justin Bieber hatten Rockys Freilassung gefordert, Trump sich mit besagtem Anruf bei Löfven eingeschaltet.

Trumps jetzige Offensive dürfte weniger mit dessen Liebe zum Hip-Hop zu tun haben, sondern eher innenpolitische Gründe haben. Er scheint eifrig bemüht, seine Stellung bei Afroamerikanern zu verbessern.

Bei der Präsidentschaftswahl 2016 stimmten nur acht Prozent der afroamerikanischen Wähler für Trump, die überwältigende Mehrheit votierte damals für seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton. Eine Überraschung war das nicht: Die Community wählt traditionell Demokraten. Trump versucht trotzdem, seine Zustimmungswerte unter Afroamerikanern zu steigern.

Dem Präsidenten fehlt zudem seit langem die Unterstützung prominenter Künstler. Hollywood-Größen und Musiker kritisieren Trump und seine Politik regelmäßig. Ein wenig Dankbarkeit aus der Welt des Hip-Hop käme ihm daher gelegen. Dafür schreckt er offenkundig auch nicht davor zurück, eine ausländische Regierung verbal zu attackieren.

Der US-Präsident hat generell ein eigenwilliges Verhältnis zur Justiz. Er hat auch in der Heimat schon öfter einzelne Richter wegen unliebsamer Entscheidungen gerügt und ihnen Parteilichkeit vorgeworfen. Eigentlich ist es für Staats- und Regierungschefs tabu, die Unabhängigkeit der Justiz anzutasten oder in Frage zu stellen - zumindest in Demokratien.

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