Düsseldorf (dpa) - Carsharing ist laut einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney nur für fünf Prozent der Deutschen eine potenzielle Alternative zum eigenen Auto.

Nur wenige Städte in Deutschland seien außerdem dicht genug bevölkert, um Carsharing wirtschaftlich betreiben zu können, heißt es in der Studie, die der dpa vorliegt und über die zuerst die «Süddeutsche Zeitung» berichtet hatte.

«Profitables Carsharing erfordert gewisse Mindestnutzerzahlen kombiniert mit einer hohen Nutzerdichte, die bereits in vielen Randgebieten deutscher Großstädte nicht mehr gegeben ist», sagte Wulf Stolle von A.T. Kearney. Lediglich elf Städte hätten mit der entsprechenden Größe und Bevölkerungsdichte aktuell überhaupt die Voraussetzungen, Carsharing-Dienste wirtschaftlich erfolgreich anzubieten. Lukrative Margen sehen die Autoren der Studie derzeit nur in Berlin, Hamburg und München.

Nach den Berechnungen der Autoren könnten die per Handy buchbaren Mietwagen so höchstens zwei Millionen private Autos ersetzen - und das auch nur, wenn alle potenziellen Kunden von ihren eigenen Autos auf Sharing-Dienste umstiegen. Die deutschen Autofahrer - auch solche, die Carsharing-Dienste nutzen, schätzten das eigene Auto aber nach wie vor, besonders allem wegen der ständigen Verfügbarkeit. Carsharing werde daher vor allem als zusätzliche Option, weniger aber als vollwertiger Ersatz für das eigene Auto gesehen.

Das zeige auch die bisherige Praxis. So nutze nur ein Prozent der Kunden die Angebote täglich. «Dass wir das eigene Auto im Straßenverkehr langfristig durch Sharing-Angebote ersetzen, zeichnet sich also derzeit nicht ab», sagte Stolle.

Der Carsharing-Marktführer in Deutschland, Sharenow, sieht sich durch die Studie dennoch bestätigt. «Die Studie von A.T. Kearney unterstützt unsere Ansicht, dass das private Fahrzeug in Deutschland nach wie vor eine viel zu große Rolle spielt, um die Mobilitätswende zu schaffen», sagte Sharenow-Chef Oliver Reppert am Freitag der dpa. Es sei Aufgabe der Politik, das zu ändern.

Reppert bewertet das Potenzial von Carsharing allerdings anders - und kommt auch auf etwas höhere Zahlen als die Autoren der Studie. «Würde es uns gelingen, die in der Studie genannten fünf Prozent der privaten Fahrzeuge von den Straßen zu holen, wären dass allein in den großen Städten Deutschlands 2,5 Millionen weniger Autos», sagte Reppert. «Das wäre eine tolle Nachricht für die Umwelt.»

Sharenow verfolgt das sogenannte free-float (deutsch: frei treibend) Verfahren. Dabei können die Autos innerhalb des Geschäftsgebiets überall gemietet und abgestellt werden. Die Deutsche Bahn setzt mit seinem Dienst Flinkster dagegen auf stationsbasiertes Carsharing mit festen Stellplätzen. «Carsharing allein löst keine Verkehrs- und Klimaprobleme», sagte ein Bahnsprecher in Reaktion auf Nachfrage. «Entscheidend ist die sinnvolle Kombination der verschiedenen Verkehrsträger - von der Bahn, über den Bus, das Fahrrad - bis zum Carsharing-Fahrzeug.»

Auch die Autoren der Studie empfehlen, Sharingdienste besser in den öffentlichen Nahverkehr zu integrieren. Bislang sei Carsharing in Deutschland aber eher Konkurrenz als Ergänzung zu Bus und Bahn.

Für die Studie befragte die Unternehmensberatung unter anderem mehr als 1000 Menschen in Deutschland, Großbritannien und den USA - die Hälfte davon waren Kunden eines Carsharing-Anbieters. Im Vergleich zu den anderen beiden untersuchten Märkten ist Carsharing in Deutschland ziemlich populär: Während in den USA und Großbritannien nur die Hälfte der Carsharing-Kunden die Dienste mindestens monatlich nutzen, sind es in Deutschland immerhin zwei Drittel.

Die Kunden in Deutschland seien außerdem deutlich zufriedener mit dem Angebot als die in Großbritannien und den USA. Das Angebot in Deutschland sei groß, vor allem dank Anbietern wie der Sharenow-Vorgänger Drivenow und Car2go oder dem Angebot der Deutschen Bahn, Flinkster. Anbieter in den USA und Großbritannien sollten sich am deutschen Markt orientieren, was die Fahrzeugflotten, die Verfügbarkeit und die Preise angeht, heißt es in der Studie. Kunden und Nicht-Kunden unter 30 Jahren äußerten sich außerdem deutlich aufgeschlossener für die Sharing-Angebote als ältere Befragte.

Bericht "Süddeutsche Zeitung"