Washington/Nuuk (dpa) - Dass Grönland Teil der USA werden könnte, ist rechtlich wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Auf die Kaufabsicht von US-Präsident Donald Trump haben sowohl Dänemark, zu dem die größte Insel der Welt politisch gehört, als auch die autonome Regierung Grönlands ablehnend reagiert.

Kalaallit Nunaat - wie indigene Einwohner ihre Insel nennen - gehört zwar zur dänischen Krone, genießt aber seit 1979 weitgehende Autonomie, die 2009 nochmals erweitert wurde. Ein Kauf der Insel von Dänemark ist nach einer Analyse des früheren juristischen Beraters des US-Außenministeriums Scott R. Anderson eine «rechtliche und politische Unmöglichkeit». Der Anwalt für internationales Recht verweist auf das Völkerrecht. Demnach haben die Grönländer ein Recht auf Selbstbestimmung. An ihnen vorbei kann Kopenhagen nichts entscheiden - und will es auch gar nicht.

Das Mutterland spricht nur noch bei der Außen- und Verteidigungspolitik mit. Die Insel ist zwar finanziell massiv abhängig von Kopenhagen. Dennoch wurde auf Grönland immer wieder der Ruf nach voller Unabhängigkeit laut. Theoretisch möglich ist nach Ansicht des US-Juristen Anderson, dass sich Grönland von Dänemark lossagt und danach eine engere Partnerschaft mit den USA eingeht - ähnlich wie das US-Außengebiet Puerto Rico.

Der dänisch-grönländische Vertrag von 2009 erlaubt den Inselbewohnern ein Unabhängigkeitsreferendum, das vom Parlament in Kopenhagen gebilligt werden muss. Es fehlt allerdings ein schlüssiges Argument, warum sich die Insel danach unter die Schwingen des US-Adlers begeben sollte.

Trump ist nicht der erste, der ein Auge auf die Insel geworfen hat. In den 1860ern gab es einen ersten US-Vorstoß zum Kauf. Doch dieser scheiterte. Nach dem Zweiten Weltkrieg boten die USA 100 Millionen Dollar für Grönland, das Gebiet sei für Dänemark doch «völlig wertlos». Ob Kopenhagen auf dieses Angebot reagierte, war aus den US-Dokumenten, die Medien erst 1991 einsahen, nicht erkenntlich. Zudem soll in den 1970ern Vizepräsident Nelson Rockefeller erneut mit dem Kaufgedanken gespielt haben, wie US-Medien berichten.

1867 hatten die USA für einen Spottpreis von 7,2 Millionen Dollar Alaska von Russland gekauft. Ebenfalls für ein Schnäppchen ging 1803 das riesige Gebiet Louisiana von Frankreich an die USA - der Preis: rund 11 Millionen Dollar. 1819 bekam Washington für fünf Millionen Dollar Florida von Spanien und verzichtete im Gegenzug auf Ansprüche in Texas.