Atlanta/Johannesburg (dpa) - Die neue «Miss Universe» fordert mehr Gleichberechtigung für Frauen. Zozibini Tunzi, die diesjährige Gewinnerin des Schönheitswettbewerbs, kommt aus Südafrika - einem Land, in dem extrem hohe Gewalt gegen Frauen herrscht.

Die 26-Jährige engagiere sich im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt und sei eine «stolze Verfechterin natürlicher Schönheit», heißt es auf der Internetseite des Wettbewerbs.

Tunzi wurde am Sonntagabend (Ortszeit) im Finale in Atlanta/USA zur neuen Titelträgerin gekrönt. Die Freude war in Südafrika und vielen anderen afrikanischen Ländern groß. «Liebe Töchter Afrikas, heute sieht die Königin des Universums aus wie du», schrieb ein Twitter-Nutzer.

Tunzi nutzte den Wettbewerb, um vor allem auf die Gewalt gegen Frauen in ihrem Heimatland aufmerksam zu machen. Im Rahmen der UN-Kampagne #HeForShe - die Männer ermutigt, sich für Frauenrechte stark zu machen - rief sie die männlichen Bürger Südafrikas dazu auf, «Liebesbriefe an die Frauen» des Landes zu schreiben. Auszüge daraus ließ sie dann auf ein Kostüm mit den Farben der südafrikanischen Flagge drucken, das sie während des Wettbewerbs trug.

In Südafrika ist die Gewalt gegen Frauen extrem hoch. Präsident Cyril Ramaphosa hatte jüngst gesagt, die Lage sei mit Ländern zu vergleichen, «in denen Krieg herrscht». In Südafrika wurden von Mitte 2017 bis Mitte 2018 nach Angaben der Polizei rund 50 100 Sexualdelikte gemeldet - zum Vergleich: In Deutschland waren es im Jahr 2018 laut Innenministerium etwa 9200.

In den vergangenen Monaten hatten mehrere Fälle von Morden an Frauen für Empörung und Protestkundgebungen in Südafrika gesorgt. «Ich habe beschlossen, etwas dagegen zu tun», erklärte Tunzi in einem Video auf ihrer Instagram-Seite.

Zudem prangert die neue «Miss Universe» das konventionelle Bild von Schönheit an. «Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der eine Frau, die wie ich aussieht - mit meiner Art von Haut und meiner Art von Haaren - nie als schön angesehen wurde», zitierte der Sender CNN die schwarze Südafrikanerin. «Ich denke, es ist Zeit, dass das heute aufhört.» Nach ihrem Sieg schrieb sie auf Instagram: Möge jedes kleine Mädchen «an die Macht ihrer Träume glauben» und «ihr Gesicht in meinem reflektiert sehen».

Vor allem Tunzis Entscheidung, bei dem Wettbewerb ihre natürlichen Haare zu zeigen und kurz zu tragen, wurde gelobt. «Meine drei jungen Mädchen sind wie #ZozibiniTunzi, sie haben kurze Haare», schrieb eine Nutzerin auf Twitter. Dies sei die Wahl ihrer Töchter gewesen. Tunzi mache sie «stolz auf meinen Afrikanismus».

In Südafrika regierte lange ein rassistisches Apartheid-Regime. Doch auch 25 Jahre nach Ende der Apartheid ist Ungleichheit noch immer ein großes Problem. Südafrika ist die am meisten entwickelte Wirtschaft Afrikas, doch rund 30 Millionen Menschen - zumeist schwarze Südafrikaner - leben der Regierung zufolge noch immer in Armut. Die weiße Minderheit, die etwa acht Prozent der 56 Millionen Südafrikaner ausmacht, ist finanziell nach wie vor wesentlich besser gestellt.

Der «Miss Universe»-Wettbewerb wird von Kritikern als veraltet und anti-feministisch bezeichnet. Die Kandidatinnen präsentieren sich unter anderem in Abendkleidern und Badeanzügen. Um den Titel bewerben sich seit 1952 die Siegerinnen der Miss-Wahlen aus mehreren Dutzend Ländern. Bei dem diesjährigen Wettbewerb landeten «Miss Puerto Rico» und «Miss Mexiko» auf den zweiten und dritten Plätzen. Für Deutschland war die 23-jährige Miriam Rautert angetreten. Im vergangenen Jahr gewann Catriona Gray von den Philippinen.

Website Miss Universe, Englisch

CNN-Beitrag, Englisch

Wettbewerb Miss Universe auf Twitter

Kurz-Biografie der Gewinnerin, Englisch

Kurz-Biografie der deutschen Kandidatin, Englisch

Kriminalitäts-Statistik der Polizei Südafrika

Polizeiliche Kriminalitäts-Statistik des Bundesinnenministeriums

Cyril Ramaphosa zu Gewalt gegen Frauen

Instagram-Seite von Tunzi

#HeForShe-Kampagne

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