Berlin (dpa) - Nach dem schweren Covid-19-Ausbruch in China sind mögliche Folgen in Deutschland laut Experten schwer abzuschätzen. "Wir sind momentan nicht in der Lage, die Dynamik des Ausbruchs zu prognostizieren", sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Bei einer Veranstaltung von Science Media Center und Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina appellierte der Berliner Virologe Christian Drosten zu gedanklicher Vorbereitung auch hierzulande. Ein Überblick:

- Ausbreitung: Bisherige Daten deuten laut Wieler darauf hin, dass die neue Lungenerkrankung Covid-19 in China ähnlich verläuft wie eine schwere Grippewelle. China unternehme drastische Maßnahmen, so dass sich das Virus bislang nicht größer außerhalb des Landes verbreitet habe. Wichtig sei, dass es bislang bei den Ansteckungsketten außerhalb Chinas immer einen Zusammenhang mit China gegeben habe. "Das ist eine wichtige Aussage, weil man damit belegen kann, dass sich das Virus noch nicht weit in der Welt verbreitet hat."

- Virus: Wie Drosten erklärte, vermehrt sich Sars-CoV-2 wie das Influenzavirus im Rachen, was es ansteckender mache als anfangs vermutet. Der Ursprung des Virus werde vielleicht nie gefunden, so der Virologe der Berliner Charité. Berichte, Schuppentiere seien die Quelle, halte er für wenig sinnvoll, da diese keine Fledermäuse fräßen. Fledermäuse gelten als Virus-Reservoir. Möglicherweise habe sich das Virus irgendwo in China Menschen angenähert, bevor es auf dem Markt in Wuhan eingeschleppt wurde, von wo die ersten Fälle gemeldet wurden. Es scheine so, als sei das Virus gut an den Menschen angepasst, sagte Drosten.

- Strategie: Deutschland und andere Länder versuchen Wieler zufolge, das Geschehen einzudämmen - bisher sei das "sehr, sehr erfolgreich". Ziel in Deutschland ist es nach RKI-Angaben, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern. Möglichst vermieden werden soll demnach, dass eine Covid-19- und die derzeit auch in Deutschland laufende Grippewelle zusammenfallen. Drosten wies jedoch auf perspektivisch begrenzte Möglichkeiten der Eindämmung hin: "Irgendwann wird es wahrscheinlich dazu kommen, dass unbemerkte Infektionen plötzlich bemerkt werden."

- Ab wann ist es eine Pandemie? Von einer Pandemie könne man noch nicht sprechen und es bestehe auch die Chance, dass es keine werde, sagte Wieler. "Das entscheidende Merkmal ist, dass es sich auf mehrere Kontinente verbreitet. Das ist zurzeit schon der Fall." Aber das wichtigste - und bisher nicht erfüllte - Kriterium seien Infektionsketten in der Bevölkerung, die sich nicht mehr nachvollziehen lassen.

- Zählweise: Die derzeit aus China bekannten Zahlen seien mit Vorsicht zu genießen, betonten die Experten. "Es sind Trends", so Wieler. Laut Drosten spiegeln die Werte eher Kapazitäten des Meldesystems wieder.

- Wer ist Schuld? Drosten betonte, es handle sich um ein Naturphänomen - mit dem Finger auf andere zu zeigen, sei unangebracht. Wichtig sei vielmehr, dass sich jetzt jeder in Deutschland Wissen über die Erkrankung aneigne und sich zum Beispiel frage, wie man Menschen mit Grunderkrankungen in der Familie schützen könne.