Wie steht es um die Welt? Können wir sie vor dem Hintergrund von Krieg, Pandemie und Klimakrise noch reparieren? Diese und andere Fragen haben sich 16 internationale Kunstschaffende gestellt. Unter dem Motto "Endlich Frieden!" zeigt die 28. Ausstellung Rohkunstbau im Schloss in Altdöbern ab diesem Sonntag ihre Arbeiten. Darunter sind renommierte Kunstschaffende wie der bekannte Streetart-Künstler Banksy aus Großbritannien, der kanadische Konzeptkünstler AA Bronson oder die amerikanische Künstlerin und Aktivistin Andrea Bowers. Aber auch junge Künstlerinnen wie die 29 Jahre alte Dänin Bertram von Undall oder die aus der Ukraine geflohene Usbekin Olena Pronkina stellen ihre Werke aus.
Alle beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der Sehnsucht nach Frieden und der Sorge um sich und die anderen, mit eigenen Ängsten und Hoffnungen, ihren Familiengeschichten. Zu sehen sind unter anderem Installationen, Skulpturen, Malerei und Siebdruck. Viele Arbeiten entstanden in der Zwischenphase von Pandemie und Krieg, aber auch aktuell - als atmosphärische Werke.
Wie verträgt sich Barock-Ästhetik mit solch zeitgenössischen Arbeiten? Für sie passe alles, sagte Kuratorin Heike Fuhlbrügge. "Es entwickelt sich ein Hybrid, der zu einer neuen Aussage findet." Das Schloss habe eine große Bedeutung für die Region und eine wechselvolle Geschichte und sei eine Art Hülle für die Kunstwerke.
So steht im holländischen Zimmer des Schlosses ein besprühter Stromkasten des britischen Graffiti-Sprayers Banksy. Seinen verwitterten Kasten zieren zwei Ratten, eine mit Regenschirm, die andere mit einem Peace-Zeichen. Es ist sein eindringlicher Appell für Frieden, so die Kuratorin über den Meister der Street-Art.
Die auf traditionelle folkloristische Stickereien anspielenden Arbeiten der belarussischen Künstlerin Rufina Baslowa sind eine eher subversive Methode, mit der sie der alltäglichen Gewalt in ihrer Heimat und anderswo etwas entgegensetzen möchte.
Bis zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine lebte und arbeitete Olena Pronkina in Kiew. Mit ihrer Mutter flüchtete die Künstlerin 2022 nach Berlin. Erlebtes habe sie in ihre Kunst eingearbeitet, wie sie sagt. Ihre Keramikköpfe strahlen Ruhe und Entrücktheit aus. Sie scheinen in eine hoffnungsvollere Zeit entflohen.
Aktivistin Bowers arbeitet in den USA viel tagesaktuell, engagiert sich unter anderem in der Bewegung Black Lives Matter, die sich gegen Gewalt gegen Schwarze beziehungsweise People of Color einsetzt. Zudem kämpft sie gegen die Waffen-Lobby. Von ihr hängt eine Waffe aus Pappe und Acrylfarbe an der Wand, auf der "Protect Kids, Not Guns" steht.
Im Lichthof des Schlosses steht zentral ein Metalltisch, auf dem eine menschengroße Keramik-Figur liegt. Geschaffen hat sie die irische Künstlerin Mariechen Danz. Es geht ihr um die Sorgen der Menschen. In den Körper sind Löcher hineingebrannt, in die aufgeschriebene Sorgen hineingesteckt werden können. Am Ende der Ausstellung sollen sie in einem "Akt der Reinigung" verbrannt werden.
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