München - Der Skandal um Gammelfleisch weitet sich aus. "Das ist ein Riesenbetrieb, wir wissen nicht mal genau, welche Mengen Fleisch in den Kühlhäusern lagern und wo das überall hingegangen ist", sagte der leitende Münchner Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld. Das Unternehmen habe nach ganz Deutschland und auch in das europäische Ausland geliefert. "Natürlich" sei auch Fleisch des Münchner Großhändlers beim Verbraucher angekommen. Dies heiße aber noch nicht zwangsläufig, dass es Ware war, die nicht zum Verzehr geeignet war.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die Staatsanwaltschaft hat laut Schmidt-Sommerfeld mittlerweile ein Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer des Unternehmens eingeleitet. Ihm werde Verstoß gegen lebensmittelrechtliche Bestimmungen und Betrug vorgeworfen, eventuell würden die Ermittlungen auch noch um den Vorwurf der Urkundenfälschung erweitert. Nach Angaben des Staatsanwalts prüfen die Ermittler derzeit, ob auch noch gegen weitere Verdächtige ermittelt werden müsse. Entscheidungen darüber würden aber erst in der kommenden Woche fallen.

Vor allem Döner-Buden betroffen

Der Großhändler belieferte vor allem Döner-Imbisse mit Fleisch. Aber auch Asia-Shops und bayerische Restaurants gehörten zu seinen Kunden. Nach Angaben des Kreisverwaltungsreferats in München waren bei neun von zehn bereits kontrollierten Betrieben in Bayern die Lieferungen unbedenklich. In einem Fall bestehe aber der Verdacht, dass vergammeltes Fleisch mit einem gefälschten Haltbarkeitsdatum ausgeliefert worden sei. In den Kühlhäusern entdeckten die Fahnder mittlerweile auch 30 bis 40 Tonnen vergammeltes Entenfleisch. Von den ersten zwanzig Proben des am Donnerstag sichergestellten Fleischs waren 17 vergammelt, sie stanken eklig oder sahen grünlich aus. Lediglich drei Proben waren nach dem sensorischen Test unbedenklich.

Schnappauf will hart vorgehen

Bayerns Verbraucherschutzminister Werner Schnappauf (CSU) kündigte an, gegen die Verstöße gegen das Lebensmittelrecht werde "mit aller Konsequenz und Härte des Gesetzes" vorgegangen. Der "respektlose Umgang mit Lebensmitteln" zeige zudem "eine moralisch verwerfliche Grundhaltung" der Beteiligten. Der Minister sprach sich erneut für eine schnellstmögliche Verabschiedung des Verbraucherinformationsgesetzes auf Bundesebene aus.