Damaskus/München - Syrien hat den Vereinten Nationen zugesichert, sie bei der Entwaffnung der schiitischen Hisbollah-Miliz zu unterstützen und den Kämpfern keine Waffen zu liefern. UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte nach einem Gespräch mit dem syrischen Präsidenten Baschar el Assad , dieser wolle "alle nötigen Maßnahmen" ergreifen, damit die jüngste Nahost-Entschließung der Uno ganz umgesetzt werden kann. Der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, reiste zu Gesprächen in den Libanon. Die ersten italienischen Soldaten zur Verstärkung der UN-Truppe im Libanon (Unifil) sollten am Samstag dort eintreffen.

UN-Generalsekretär Annan sagte, er habe ein "langes und konstruktives" Gespräch mit Assad geführt. Der syrische Präsident habe betont, dass er zwar keine ausländischen Soldaten an der Grenze zum Libanon haben wolle. Er habe der Uno aber trotzdem zugesagt, dass Syrien "alles Notwendige" tun wolle, um den Teil der UN-Entschließung umzusetzen, in dem es um ein Ende von Waffenlieferungen und die Entwaffnung der Hisbollah geht. Vor allem Israel und die Vereinigten Staaten werfen Syrien vor, die Schiitenmiliz zu unterstützen.

Gemeinsame Grenzposten mit dem Libanon

Assad habe angekündigt, er wolle zum Schutz der syrisch-libanesischen Grenze beitragen und dort zusätzliche Grenzschützer stationieren, sagte Annan. Zudem werde er Verbindungsmechanismen mit der libanesischen Armee und Polizei sowie mit der internationalen UN-Truppe im Libanon (Unifil) schaffen. Die syrische Regierung wolle auch gemeinsame Grenzposten und Grenzstreifen mit dem Libanon einrichten, um Waffenschmuggel zu unterbinden.

Darüberhinaus sei Assad bereit, "normale diplomatische Beziehungen" mit dem Nachbarland aufzunehmen, teilte Annan mit. Assad habe aber betont, dass es sich dabei um eine "souveräne Entscheidung" handle, welche die beiden Staaten unter sich ausmachen würden. Syrien, das jahrelang Schutzmacht des Libanon war, und das Nachbarland hatten nie diplomatische Beziehungen zueinander. Syrien sei "ein wichtiger Akteur" im Nahen Osten, sagte Annan. "Die Weltgemeinschaft erwartet von Syrien, dass es in dieser entscheidenden Zeit eine konstruktive Rolle spielt."

BND-Präsident in Beirut

BND-Präsident Uhrlau reiste in die libanesische Hauptstadt Beirut und wurde dort noch am Freitag erwartet, wie eine Sprecherin des Nachrichtendienstes sagte. Worum es bei seinen Gesprächen im Libanon gehen sollte, wollte sie nicht sagen - "Inhalt ist aber nicht der Gefangenenaustausch". Libanesische Medien hatten berichtet, Uhrlau solle bei einem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der radikalislamischen Hisbollah vermitteln. Nach einer Vermittlung durch den BND hatte 2004 unter deutscher Regie der letzte große Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah stattgefunden.