Hamburg - Der ehemalige Bürgermeister Henning Voscherau hat die SPD-Spitzenkandidatur für die Bürgerschaftswahl in Hamburg im kommenden Jahr abgelehnt. "Es fehlten die politischen und familiären Voraussetzungen", ließ Voscherau über den amtierenden SPD-Landeschef Mathias Petersen mitteilen. Damit tritt der 65-Jährige nicht gegen den amtierenden Bürgermeister Ole von Beust (CDU) an.

Voscherau war bereits von 1988 bis 1997 Erster Bürgermeister in der Hansestadt. Erst am 6. Mai 2006 habe er auf Druck der Partei auf eine Spitzenkandidatur verzichtet, schrieb Voscherau in dem Brief. "Wie soll ich denen, die mich 2006 monatelang öffentlich bekämpft haben, jetzt glauben, dass ihre plötzliche Unterstützung von Dauer sein wird - durch dick und dünn bis 2012", ließ der Notar ausrichten. Zudem sei seine Familie entsetzt über die Abläufe in der vergangenen Woche. Seine Frau wäre sehr unglücklich über eine Rückkehr in die Politik.

SPD: Bemühen uns um weitere Kandidaten

Die Absage Voscheraus verschärft die wohl schwerste Krise der Hamburger SPD. Erst verschwanden bei der Kampfabstimmung um die Spitzenkandidatur zwischen Petersen und seiner Stellvertreterin Dorothee Stapelfeldt am 25. Februar 959 Briefwahlstimmzettel; die Urwahl wurde daraufhin abgebrochen. Dann trat der 24-köpfige Landesvorstand geschlossen zurück; es wurde viel um einen erfolgversprechenden Herausforderer für Beust spekuliert.

Nach Voscheraus Absage wird sich die SPD nach Angaben Petersens über weitere Kandidaten beraten. Die Findungskommission setzt SPD-Landesgeschäftsführer Walter Zuckerer zufolge ihre Sondierungsgespräche fort. Das brauche Zeit, sagte Zuckerer. Am Montagabend sei mit keiner Entscheidung zu rechnen.

Zuckerer räumte ein, Voscheraus Absage mit Ernst und Bedrückung aufgenommen zu haben. Er glaube jedoch daran, dass es auch in Hamburg geeignete Kandidaten gibt. Allerdings werde auch bundesweit gesucht. (tso/ddp)

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