München - Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, dass alternativ zu einer Zerschlagung der Konzerne jetzt geprüft werde, die Netze Deutschlands, Frankreichs, Beneluxstaaten sowie Österreichs und der Schweiz von einer unabhängigen Netzgesellschaft betreiben zu lassen. An den gegenwärtigen Eigentumsverhältnissen soll sich dabei nichts ändern. Die von der EU-Kommission favorisierte eigentumsrechtliche Trennung von Stromerzeugung und Netzbetrieb lehnte der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) erneut strikt ab.

"Wir sind der festen Überzeugung, dass eine Weiterentwicklung der europäischen Regionalmärkte bessere Ergebnisse liefert als staatliche Eingriffe", sagte VDEW-Präsident Werner Brinker. Eine eigentumsrechtliche Entflechtung werde nicht für mehr Wettbewerb sorgen, sondern sich als Investitionsbremse erweisen.

Stromkonzerne könnten ihre Netze behalten

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso bezeichnete unterdessen die Schaffung von regionalen Netzbetreibern als einen Schritt in die richtige Richtung. "Uns wäre aber die volle, eigentumsrechtliche Entflechtung am liebsten", sagte er in Brüssel. Barroso will den EU- Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfel am Donnerstag in Brüssel die Vorschläge der EU-Kommission für mehr Wettbewerb im Energiesektor vorlegen.

Experten der Deutschen Bank forderten indes eine Zerschlagung der Energiekonzerne in ihrer heutigen Struktur: Die übliche Bündelung von Erzeugung, Netzbetrieb und Verkauf sei das zentrale Problem für den Wettbewerb, heißt es in einer in Frankfurt veröffentlichten Studie der größten deutschen Bank. "Bis dato ermöglichen die Leitungsmonopole den Stromkonzernen, die Konkurrenten klein und die Preise hoch zu halten", schreiben die Experten. "Ideal wäre die vollständige Trennung der Erzeugerstufe von den Netzen."

Deutschland hat nach Bankangaben die höchsten Gaspreise in der EU und liegt auch bei den Strompreisen in der Spitzengruppe. Die Volkswirte weisen die Kritik aus Deutschland an einer solchen Entflechtung, die angeblich einer Enteignung der etablierten Energieunternehmen gleichkomme, zurück. "Ein Teil der Wahrheit ist, dass die jahrzehntelange Akkumulation von Kapital nicht zuletzt deshalb zu Stande kam, weil in Deutschland kein Wettbewerb auf den Strom- und Gasmärkten stattfand, also so genannte 'Monopolrenditen' erwirtschaftet werden konnten". (tso/dpa)

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