Dschalalabad - Vor einem Universitätsgebäude der ostafghanischen Stadt Dschalalabad versammelten sich vornehmlich Studenten, um die Koalitionstruppen sowie die Nato-geführte Afghanistan-Schutztruppe Isaf mit Transparenten wie "Tod den Koalitionstruppen" zum Abzug aufzufordern. "Die Koalitionstruppen und die internationalen Truppen kamen nach Afghanistan, um Stabilität und Sicherheit zu bewahren, aber jetzt töten sie Zivilisten", sagte einer der Teilnehmer. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, um die Demonstranten von einem Marsch ins Stadtzentrum abzuhalten.

In der Nähe von Dschalalabad waren am Sonntag nach Angaben der afghanischen Regierung zehn Zivilisten ums Leben gekommen, als es nach einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi von US-Soldaten zu einem Schusswechsel kam. Die Koalitionstruppen hatten mitgeteilt, dabei seien acht Menschen getötet und 35 verletzt worden. Unklar sei noch, durch welche Kugeln die Zivilisten umkamen. Augenzeugen berichteten, die US-Soldaten hätten die Zivilisten durch wahllose Schüsse getötet.

Human Rights Watch fordert Aufklärung

In der nordafghanischen Provinz Kapisa starben bei einem Bombenangriff der Koalitionstruppen am Sonntag neun Zivilisten, zumeist Frauen und Kinder, sowie drei mutmaßliche Aufständische, wie das Innenministerium am Dienstag unter Berufung auf die Koalitionstruppen mitteilte. Afghanistans Präsident Hamid Karsai kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an.

Die US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch forderte, die Verantwortung der US-Soldaten am Tod der afghanischen Zivilisten müsse rückhaltlos aufgeklärt werden. Die USA müssten den afghanischen Präsidenten dabei unterstützen, erklärte die Organisation am Montag (Ortszeit) in New York. "Selbstmord-Attentäter geben sich in Afghanistan regelmäßig als Zivilisten aus, aber das gibt den Koalitionstruppen keine Blankovollmacht, darauf mit wahllosem Beschuss zu antworten", erklärte HRW-Vertreter Brad Adams. (tso/AFP)

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